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Echte Zugaben werden doch ehrlich gesagt immer seltener. Am letzten Freitagabend gab es gleich zwei reale Zugaben. Auf die eine hätten die meisten wohl verzichten können: Den nassen, unverhofften Aprilschnee. Die andere war einfach nur genial und sie liess, obwohl sie aus Schweden kam, die kalten Temperaturen draussen vergessen. Am Konzert von Eat The Gun und Mustasch blieb fast kein T-Shirt trocken.

Mustasch im Gaswerk (Sacha Saxer)

Mustasch im Gaswerk (Foto: Sacha Saxer)

 

Trotz widrigster Wetterumstände haben sich am Tag des Schweizer Bieres knapp 150 hartgesottene Leute im Gaswerk in Winterthur eingefunden, um der deutsch-schwedischen Kombo von Eat The Gun und Mustasch zu lauschen. Die 30 minütige Verspätung fiel in der zum Viertel gefüllten Location eigentlich gar nicht weiter auf, weil offenbar ausreichend Bier und Gesprächsstoff vorhanden waren. Erst als der Nebel auf der Bühne das Erscheinen von Eat The Gun ankündigte, wendete sich  die Aufmerksamkeit vom Bierbecher zur Show. Hendrik Wippermann der Frontsänger und Gitarrist zog mit seinem Wuschelkopf die Blicke sofort auf sich. Leider konnte er stimmlich wenig überzeugen, was aber auch daran lag, dass das der Soundtechniker die Stimme zu leise eingestellt hat.
Instrumental gaben die drei Jungs jedoch Vollgas bis das Mikrofon von der Bühne gefegt wurde. Während es anfänglich in den ersten Reihen noch sehr ruhig zu ging, konnte der Frontmann später durch seinen eindringlichen Hinweis auf die Abmachung mit Mustasch, die ersten Reihen komplett zu füllen, schnell einige der weiblichen Publikumsgäste an das Absperrgitter locken. Und wo sich die Frauen tummelten, folgten danach die männlichen Rocker. Wobei einige offensichtlich mit der Koordination von Klatschen, Tanzen und Bierbecher-mit-dem-Mund-halten überfordert waren und es das eine oder andere nasse aber nicht schweiß-nasse Gesicht gab. Obwohl der Bassist Phil Hüls in Kürze aus der Band ausscheiden wird, hat Eat The Gun noch eine neue Platte herausgebracht und einige Songs daraus präsentiert. Genau diese hatten am meisten Drive und liessen vor allem die vorderen Reihen warmlaufen.

Eine gute Aufwärmphase war für den Hauptact Mustasch entscheidend. Die schwedischen Wikinger starteten von Anfang an voll durch und vor allem der Sänger Ralf Gyllenhammar überzeugte durch seine starke Bühnenpräsenz und seine charakteristische Stimme. Das Publikum kam schnell dahinter, dass er sich durch das Zureichen von alkoholischen Getränken, vorzugsweise Bier, zu weiteren Leistungssteigerungen motivieren liess. Seine Publikumsnähe gipfelte darin, dass er einen Ausflug samt Gitarre durch das Publikum unternahm, was mit einem Abschlusssolo und einem Shot auf dem Tresen gekrönt wurde.
Während die musikalische Darbietung insgesamt nicht so facettenreich wie von Platte rüberkam, liessen die guten Riffs doch einige Köpfe wackeln und animierten zum rumspringen. Trotz der härteren Gangart insbesondere vom neuen Album, findet die Band durch melodiöse Parts und einen rockigen aber nicht zu krassen Gesang den Zugang zu einem breiten Publikum.
Für gute Lacher sorgten auch immer wieder die deutschsprachigen Ansagen. So wurde zum Beispiel der «Fotografenmensch» spontan auf die Bühne bestellt, oder festgestellt, dass «Der Schlagzeuger ist geht weg». So wie das ganze Showprogramm improvisiert wurde, kam auch die belohnende Zugabe authentisch rüber, als die Band Zigaretten rauchend den Weg vom Klo zurück auf die Bühne fand, sich komplett neu verkabeln liess und noch einen Song vom Stapel liess. Schön, dass es noch echte Zugaben gibt.

Fotos: Sacha Saxer