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Neben Xandria steigt ein neuer Stern am deutschen Symphonic Metal-Himmel auf. Nach den Auftritten am Wacken Open Air 2014 ist nun endlich das Debütalbum «Songs of Love and Death» erschienen.

Artikel 2015-06-28 Beyond-the-Black_Songs-of-Love-and-Death Artikelbild

Zart werden die Saiten der akustischen Gitarre zu verträumten Querflötenklängen gezupft. Dann stimmt endlich Jennifer Habens engelhafte Stimme hinzu. Bis nach 45 Sekunden das Gitarrenriff und die Schlagzeugattacke klar macht, dass hier keine Musik für Schwiegermütter läuft. Die Gitarren zerschneiden den Song, der vom Namen her an den durch jede Castingshow rauf und runter gequälten Song von Leonard Cohen erinnert, in handliche Stücke, die durch den treibenden Beat von Tobias Derer hinter dem Drums noch kompakter geprügelt werden. Hallelujah hat nie besser geklungen! Die Kontraposition des sanften Intros mit dem treibenden Rhythmus des Songs, die Dualität von Jennifer Habens Gesang und Chritopher Hummels Shouts verleihen dem Track eine unglaubliche Wucht. Bombastisch wäre hier noch untertrieben.

Bombastisch ist aber genau der Grundpfeiler der Musik von Beyond The Black. Seit ihrem ersten Auftritt – am Wacken Open Air! – haben die Jungs um Sängerin Jennifer gezeigt, dass sie sich weder hinter nationalen Grössen wie Xandria noch internationalen wie Within Temptation, Sirenia oder Nightwish verstecken müssen.

Jetzt ist ihr Debütalbum Songs of Love and Death erschienen und das Sextett muss sich den Kritikern stellen – auch mir. Die Auftritte am Wacken Open Air haben Eindruck hinterlassen und entsprechend hoch waren meine Erwartungen, als ich die Scheibe zum ersten Mal in meinem Player laufen lassen konnte.

Schon beim Opener In The Shadows stellen sie klar, dass sie in der Liga von Within Temptation spielen wollen. Der Sound passt perfekt in die Vorgaben der Holländer, aber Jennifers Stimme vermag Sharon Den Adel in die Schranken zu weisen. Was die 18-Jährige aus sich heraus zu holen weiss, ist unglaublich. Den Vergleich zu Tarja Turunen, die ihre Mitmusiker ebenfalls an die Wand gesungen hat, muss sie sich nicht scheuen, auch wenn dies nicht ihre Intention ist.

Der Pathos, den der Titeltrack Songs of Love and Death mitträgt, zieht sich durchs ganze Album. Man kann nicht glauben, dass dieses jungen Mädel so viel Gefühl in ihre Stimme legen kann. Die Songs weisen teilweise eine Tiefe aus, die jemand mit 18 Jahren noch nicht erlebt haben sollte. Die Pianoballade Unbroken gehört dazu. Jennifer Haben hat wirklich grossartige Musiker um sich geschart, aber so sehr sie sich auch anstrengen, gegen Jennifers Stimmgewalt ziehen sie regelmässig den Kürzeren.

Sollte sich das kleine Mädchen, dass sich erstmals als Hannah Montana Coversängerin einen Namen machte, als Deutschlands Tarja Turunen herausstellen? Noch ist es zu früh, darüber ein Urteil abzugeben, aber die Zeichen stehen gut, dass Beyond the Black Xandria als Deutschlands Antwort auf Nightwish ablösen werden. Nicht unbedingt im Klang direkt, aber in der Qualität der Musik, die sie produzieren.

Vom Klang her erinnert die Band mehr an Within Temptation und Sirenia. Aber genau darin liegt auch die Schwierigkeit, sie einzuordnen. Beyond The Black ist praktisch aus dem Nichts erschienen, lieferte ihr Debütkonzert am Wacken Open Air ab und die Liste an Gastmusikern, die auf dem Album mitwirken, ist zu gut, als dass hier nur einfach grosses Glück am Start war. Unterschwellig wird man das Gefühl nicht los, dass hier eine Band ganz bewusst aufgestellt wurde um auf der Symphonie Metal-Welle zum Erfolg zu reiten.
Ich werde versuchen, dies in einem zukünftigen Interview zu verifizieren oder zu widerlegen. Nichtsdestotrotz sind die zwölf Songs auf Songs of Love and Death allesamt grossartig eingespielt und sauber produziert. Alleine Hallelujah, Pearl in a World of Dirt, Unbroken und When Angels Fall sind den Kauf des Albums wert. Und die Abschlussballade Love Me Forever beweist, dass noch verdammt viel mehr in dieser Band steckt.

Release:
13. Februar 2015

Label:
Airforce1 Records/Universal Music Central Europe

Tracklist:
01 – In The Shadows
02 – Songs Of Love And Death
03 – Unbroken
04 – When Angels Fall
05 – Pearl In A World Of Dirt
06 – Hallelujah
07 – Running To The Edge
08 – Numb
09 – Drowning In Darkness
10 – Afraid Of The Dark
11 – Fall Into The Flames
12 – Love Me Forever