Hausbesetzungen werden häufig erst dann thematisiert, wenn es zum Konflikt kommt: Wohnungen werden geräumt, Häuser von der Polizei durchsucht, Zwischennutzungsverträge ausgehandelt. Die Beweggründe, Häuser zu besetzen, werden dabei meist aussen vor gelassen.

von Saare Yosief, «bärner studizytig»

Über Hausbesetzungen liegt ein mystischer Nebelschleier. Zu Beginn der Recherche wird schnell klar: Es ist extrem schwierig, an tiefergehende Informationen aus der HausbesetzerInnenszene zu gelangen. Quellen ziehen sich zurück, Aussagen werden verweigert und Inhalte anonymisiert. Die Skepsis gegenüber den Medien ist gross.

Gertrud* (21) hat in einem besetzten Haus gelebt und kennt die Szene. Sie hält ihren Cappuccino mit beiden Händen umschlossen. Im kleinen Restaurant sind wenige Leute anwesend. Der Raum ist hellhörig, aber sie spricht trotzdem offen: «Die Diskussion ist dauerhaft. Es gibt innerhalb der BesetzerInnenszene Befürworter und Gegner. Die einen finden, die Medien seien nicht objektiv oder gegen dich. Die anderen finden, man solle sich öffnen und seine Anliegen auch durch die Medien mitteilen.» Da sich die Besetzenden meist auch in einem juristischen Graubereich bewegen, ist es heikel, sich öffentlich zu exponieren.

Logbuch: Der Anfang

Befreundete treffen sich. Sie wollen ein Haus zu einem Zweck besetzen. Die Befreundeten holen weitere FreundInnen. Neue Freundschaften entstehen. Das Kollektiv formiert sich. Ein leerstehendes Wohngebäude wird gesucht: aktiv in den Quartieren, passiv übers Sichumhören. Monate vergehen.

Politisch oder faul?

Moritz* (20) sitzt auf einem Sofa in einem besetzten Haus in Bern und erklärt, weshalb er in allen Formen von Besetzungen politische Stellungnahmen sieht: «Auch wenn du aus persönlichen Gründen ein Haus besetzt, weil du z.B. keine Wohnung findest oder einen alternativen Ort bieten willst, drückst du ein politisches Bedürfnis aus.» Er gestikuliert nicht gross, wenn er spricht. «Selbst Leute, die Häuser besetzen und von sich aus sagen: ‹Ich mache das nicht aus politischen Gründen›, teilen ein politisches Bedürfnis mit. Sie reflektieren es vielleicht nicht so, aber sie leben schliesslich auch nicht in normalen Mietwohnungen.» Wohnungsknappheit und das Bedürfnis nach Freiräumen, beziehungsweise freiem Gestaltungsraum sind zwei Gründe, weshalb Häuser besetzt werden. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch politische Besetzungen wie die des Berner Zieglerspitals im Jahr 2015. Damals kritisierten die Besetzenden durch ihre Aktion die Schweizer Asylpolitik.

Bild: Saare Yosief

Vis-à-vis von Moritz sitzt ­Hans* (25), der sich zwischendurch immer mal wieder eine selbstgedrehte Zigarette anzündet. Er sitzt zurückgelehnt auf einem tiefen Sofa und spricht sehr ruhig über seinen Weg in die Szene. «Es fängt damit an, dass du dir überlegst: wie möchte ich leben?» Er verdeutlicht weiter: «Soviel arbeiten, um Miete zu zahlen, das geht einfach nicht. Ich möchte nicht leben, um zu arbeiten. Ich möchte in einer Gemeinschaft leben und soviel machen, wie ich kann und will.»

Weniger Miete zahlen, weniger arbeiten – unweigerlich drängt sich hier das Vorurteil der Faulheit auf. Gertrud stört sich an diesem: «Wir leben in vorgefertigten Mustern und Rastern. Die Leute haben dieses Scheuklappendenken: ‹Ich muss 100 Prozent arbeiten›. Dabei gibt es andere Möglichkeiten sich zu beschäftigen, sich zu organisieren, zu leben.» Sie verteidigt die Standpunkte, obwohl sie selbst nicht aus dieser Überzeugung besetze. Für sie sei es interessant gewesen, mit einer Gemeinschaft eine alternative Lebensweise zu entdecken.

Logbuch: Die Vorbereitungen

Ein Haus wird entdeckt. Informationsbeschaffung: Das Grundbuchamt wird angerufen, das Bauinspektorat befragt: In welchem Zustand ist das Haus? Was sind die Zukunftspläne für das Gelände? Wochen vergehen. Das Haus eignet sich. Vorbereitungen: Briefe schreiben an den oder die EigentümerIn, an NachbarInnen, die Gemeinde und die Medien. Notwendig wäre nur der erste. Verteilen der Zuständigkeiten: Wer geht ins Haus, hängt die Banner raus, verbarrikadiert, kommuniziert nach aussen? Wer bleibt draussen, besorgt Essen und Trinken? Tage vergehen.

Zu zehnt in einer Vierzimmerwohnung

Hans wuchs auf dem Land auf und war seit seinem Zuzug in die Stadt in besetzen Häusern unterwegs. «So will ich auch leben», war seine Reaktion bei seinen Besuchen. Bevor er aber überhaupt so wohnte, teilte Hans mit bis zu zehn anderen gewöhnliche Drei- bis Vierzimmermietwohnungen: «Irgendwann ging das nicht mehr. Wir haben in Mansarden und im Wohnzimmer gelebt. Wir sind an einen Punkt angelangt, an dem wir keine Wohnung mehr gefunden haben, die es uns ermöglicht hätte, so zu leben, wie wir es wollten.»
Moritz hat unter anderem alleine in einer Mietwohnung gewohnt. Damals wollte er möglichst schnell aus seinem Elternhaus ausziehen. Er kannte die Szene aber schon, war auch bei einigen Besetzungen dabei, und zog so eines Tages in ein besetztes Haus ein.

Bild: Saare Yosief

Logbuch: Konsequenzen

Der Besetzungsplan steht. Bei Ausführung sind seine rechtlichen Folgen: Auf jeden Fall Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, wenn die vergilbten Wände weiss angestrichen werden. Rechtliche Konsequenzen sind zur Kenntnis genommen. Stunden vergehen.

Gesucht: Freiraum in der Stadt

In der Stadt Bern sind die Wohnungen knapp. So stand es auch in den letzten Stadtberner Abstimmungsunterlagen. Wohnraum ist in der Stadt meistens rarer als auf dem Land. Jedoch will man sich nicht aus der Stadt verdrängen lassen und aufs Land ziehen müssen. Gertrud nennt die Gentrifizierung als Missstand: «Es gibt eine Aufwertung der Quartiere und die Anwohner können sich so die Mieten nicht mehr leisten. Nur weil ihr Wohnort interessant wird, müssen sie raus.»

«Wir könnten locker drei Häuser füllen»

Der Wunsch nach freiem Gestaltungsraum hängt dabei eng mit der Wohnungsknappheit zusammen. Zwar gäbe es ausserhalb der Stadt mehr Freiräume, doch die Besetzenden wollen sich eben nicht aus der Stadt verdrängen lassen.

Damit schliesst sich für Moritz der Kreis: «Die Räume schneit es nicht vom Himmel. Das System gibt dir diese nicht einfach so.» Dass es sich dabei um ein paar wenige handelt, die den Wunsch nach mehr freien Wohn-, Lebens- und Gestaltungsräumen äussern, sei unwahrscheinlich. «Wir könnten locker drei Häuser füllen», legen Hans und Moritz dar, «es kommen so viele Leute mit Ideen.» Der Zulauf sei immens, doch ihre Kapazitäten seien beschränkt. Bei der Besichtigung des Hauses wird augenscheinlich, dass jeder Raum bis zum letzten Winkel ausgenutzt ist. «Es fehlt an Räumen. Darum besetze ich», fasst Moritz zusammen.

Logbuch: Das Ereignis

Die Besetzung beginnt. Einstieg durchs Fenster, unauffällig rein. Nicht in flagranti erwischen lassen. Alles verbarrikadieren. Besetztbanner aus dem Fenster hängen. Die Polizei kommt spätestens nach einer Stunde. Das Banner zeigt: Das ist eine Besetzung. Die Eigentumsgesetze verbieten der Polizei den Zugriff ohne die Erlaubnis des/der EigentümerIn. Rein rechtliche Angelegenheit zwischen den Besetzenden und dem/der EigentümerIn. Die Polizei geht trotzdem nicht. Sie will Informationen: Wer seid ihr, wie viele seid ihr; kommt raus, lasst uns reden. Der Besetzungsplan besagt: Nicht rausgehen, sie verhaften dich; einfach abschütteln. Keine bis wenige brauchbare Informationen preisgeben: Wir sind tausende, zufrieden hier drinnen und stehen in Kontakt mit den EigentümerInnen. Stunden vergehen.

Besetzung mit und ohne Vertrag

Wenn ein Haus besetzt wird, kann zwischen den Besetzenden und den HauseigentümerInnen ein Zwischennutzungsvertrag vereinbart werden. Der Vertrag erlaubt den Besetzenden die Nutzung des Hauses. Nicht immer wird aber eine solche Vereinbarung angestrebt. Moritz macht deutlich, dass vieles davon abhängt, was bezweckt wird: «Das Ziel bei einer Besetzung ist objektabhängig: Du kannst dir erhoffen, lange darin zu wohnen, oder wie beim Zieglerspital kurzzeitig auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam zu machen.»
Jedoch müssen neuerdings zwischennutzungsfähige Gebäude, welche im Besitz der Stadt Bern sind, zur Zwischennutzung gar nicht mehr besetzt werden. Leerstehende städtische Gebäude können auf Antrag vertraglich zwischengenutzt werden. Beispiele dafür sind die alte Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse und der Entsorgungshof im Ostring, in welchen die Caffè Bar Sattler expandiert.

Der Innenhof der alten Feuerwehrkaserne Viktoria. Bild: Saare Yosief

Ausserdem bietet die Koordinationsstelle für Zwischennutzungen der Stadt Bern auch die Möglichkeit, dass private EigentümerInnen ihre Häuser und Gebäude über diese Stelle zur Zwischennutzung freigeben können. Für Moritz ist diese Option eine Farce: «Leute wie wir können damit gar nichts anfangen. Es macht es für uns eher schwieriger. Andere Leute, die das Geld und die Mittel haben, können damit diese Objekte schnell und einfach mieten.» Obwohl die Koordinationsstelle die Objekte als günstig anpreist, zeigt ein kurzer Einblick in die Raumbörse, wie relativ dies zu verstehen ist. Ein Atelier/Büro in der Altstadt mit einer Fläche von 120m2 wird für umgerechnet 1570 Franken pro Monat vermietet. Hans und Moritz wäre es zwar nicht lieber, wenn die Gebäude leer ständen. Sie fänden es jedoch schöner, wenn etwas Alternatives entstehen könnte, anstatt dass diese Flächen kommerziell genutzt würden. Moritz pointiert: «Es hat einfach nichts mit alternativer Kultur zu tun, wenn du dort ein Café betreibst und darin Leute arbeiten lässt. Da kann man noch so lange Palettenmöbel vor die Tür stellen», und Hans ergänzt sogleich: «Sie machen damit ihren privaten Gewinn. Wir sind das Gegenteil. Wir machen doch keinen Gewinn.»

«Wir haben nicht den romantischen Traum, dass wir hier vom kapitalistischen System losgelöst sind»

Logbuch: Der Alltag

Das Haus ist besetzt. Ausharren. Stresssituationen bewältigen. Mit der EigentümerInnenschaft verhandeln. Beschäftigungen: Möbel basteln, Karten spielen, Bücher lesen, nachdenken, improvisieren. Tage vergehen.

Hausbesetzungen als Gegenvorschlag

«Ich besetze ganz klar aus anarchistischen Gründen.» Hans strebt nach einer herrschaftslosen Gesellschaft und sieht im Besetzen von Häusern ein Mittel, um gegen den Staat zu kämpfen. Er relativiert seinen Standpunkt jedoch: «Es ist schwierig, innerhalb vom kapitalistischen System etwas Neues zu probieren. Dieses Hausprojekt ist auch nur ein Versuch. Wir alle sind noch ans System gebunden: Krankenkassen, Steuern…» Moritz ergänzt: «Wir haben nicht den romantischen Traum, dass wir hier vom kapitalistischen System losgelöst sind. Wir zahlen normale Abfallgebühr, wir zahlen Strom – wir sind voll und ganz eingebunden.» Sie hätten nicht die Illusion, sich in ihrem Haus vollends dem Systemzwang entziehen zu können. Dafür müssten sie ihrer Meinung nach weit weg in den Wald ziehen – wobei sie sich eben nicht aus der Stadt verdrängen lassen wollen.

Moritz meint: «Es geht mir nicht darum, hier ein einfaches Leben aufzubauen, möglichst wenig zu arbeiten, es möglichst gemütlich zu haben. Ich will das System an der Wurzel verändern.»

«Das kann man nicht einfach so», reflektiert Hans. Sie sehen ihre Hausbesetzung jedoch als einen Gegenvorschlag zum vorherrschenden System. Moritz verdeutlich aber, dass sie ihren Lebensstil keineswegs als Blaupause weitergeben wollen: «Wir sagen niemandem, dass sie es genau so machen sollen wie wir. Ich sehe es einfach gerne, wenn Sachen entstehen, die der Marktlogik widersprechen.»

Logbuch: Besetzt halten

Das Haus besetzt halten. Falls es Ablösungen gibt, das erste Mal das Haus verlassen. Freiheit geniessen. Gewöhnlichen Beschäftigungen nachgehen. Zurückkehren. Wochen vergehen.

Kompromisslos vs. kompromissbereit

Zwischen dem Kollektiv von Hans und Moritz und den HauseigentümerInnen besteht ein Zwischennutzungsvertrag. Der Vertrag sei ein Kompromiss, den sie eingehen. In der Szene ist der Diskurs aber gross, ob Zwischennutzungsverträge angenommen oder rigide abgelehnt werden sollen. Selbst ein und dasselbe Kollektiv kann von Haus zu Haus eine andere Strategie verfolgen. Hans und Moritz stimmen ohne zu zögern dem Vorwurf zu, dass ihre Kompromissbereitschaft inkonsequent sei. Denn die Zugeständnisse untergraben ihr ideologisches Ziel, das System grundlegend zu verändern. Darauf entgegen sie jedoch, dass ohne Kompromisse die Repressionen unerträglich werden können. «Wenn du nicht kommunizierst und keine Kompromisse machst, ist es jedes Mal einfach ein Kampf», fängt Moritz an und erzählt, «dann kommen sie und räumen dich, dann gibt es diese Anzeigen und du hast wieder kein Zuhause mehr.» Wenn daraufhin erneut ein Haus mit dieser Strategie besetzt wird, laufe  es höchstwahrscheinlich wieder nach demselben Muster ab. Dabei steigt die Busse für jene, die wiederholt besetzen, bei jeder Anzeige. Nach einer gewissen Anzahl Anzeigen ist man anschliessend auf Bewährung und ab diesem Zeitpunkt kann die Konsequenz für eine weitere Straftat eine Gefängnisstrafe sein. Hans und Moritz finden diese Besetzungsart zermürbender als einen Kompromiss einzugehen und dafür die Bewegung aufrecht zu erhalten.

Die Szene ist in dieser Hinsicht jedoch gespalten. Einige finden, dass die Bewegung durch den Kompromiss verwässert wird. Grundsätzlich bestehe aber auch die Möglichkeit, keine Verhandlungen mit den EigentümerInnen zu führen, nicht geräumt zu werden und dadurch stillschweigend toleriert zu werden. Die Wahrscheinlichkeit diesen «Jackpot» zu knacken, schätzt Moritz jedoch als sehr gering ein.

«Die Räume schneit es nicht vom Himmel»

Logbuch: Haus beleben

Das Provisorium entwickelt sich: Holzschutt wird vom Hauseingang entfernt, kahle Zimmer möbliert, leere Wände belebt, Schloss ausgewechselt, Toilette repariert, öffentliche Angebote erstellt. Monate vergehen.

Der Alltag in den besetzten vier Wänden

Beide empfinden das Leben im besetzten Haus als sehr vorteilhaft: Es gebe Diskussionen mit gleichgesinnten Menschen, Projekte werden angerissen. Der entstehende Austausch sei ihnen wichtig. Auch das Leben unter den BewohnerInnen beschreiben sie als sehr offen, die Solidarität werde bei ihnen gross geschrieben.
Damit das Zusammenleben nicht im Chaos versinkt, treffen sich die Hausbesetzenden regelmässig. Alle Entscheidungen werden basisdemokratisch im Kollektiv gefällt. Bei den Sitzungen werde alles Mögliche besprochen und diskutiert: Wie werden Mängel am Haus repariert, welches Kulturangebot soll angeboten werden, eine Person zieht aus, eine andere zieht ein. Die Langwierigkeit der Besprechungen ist offensichtlich, aber Hans und Moritz schätzen sie trotzdem und finden es wichtig, dass alle Entscheidungen im Kollektiv getroffen werden.

Auch Gertrud findet, dass besetzte Häuser viele Vorteile bieten: «Es gibt viele Synergien mit den Mitbewohnern. Im Haus gibt es auch sehr viel Diskurs: Wie finanzieren wir uns, welche Events organisieren wir. Ein Haus bietet Möglichkeiten für Dinge, die du nicht alleine in deiner Zweizimmerwohnung machen kannst.» Aber auch da liegt Kritik am kapitalistischen System nicht fern: «Die Events sind kostenlos und stehen allen offen. Es gibt keinen Konsumzwang. Du brauchst keine Zehnernote in der Hosentasche, um bei uns reinzukommen.»

Logbuch: Die Zukunft

Das Haus bleibt besetzt. Mögliche Schlussszenarien: Räumung, Zwischennutzung, tolerierte Besetzung. In Verhandlung. Jahre vergehen.

Besetzung bietet Obdach

Gertrud hat ihren Cappuccino mittlerweile ausgetrunken. Sie spricht über das besetzte Haus, in dem sie gelebt hat: «Die wenigsten, die dort wohnen, wären ohne diesen Ort auch wirklich obdachlos. Sie kämen irgendwo anders unter. Aber genau den Menschen ohne diese Möglichkeit kann so auch ein Platz geboten werden.» Sie erzählt davon, dass es vorgekommen sei, dass Leute zu ihnen kamen und nach einem Bett fragten. Auch Hans und Moritz bestätigen: Bei ihnen werden Menschen ohne Schlafstelle nicht auf die Strasse zurückgeschickt. Es scheint üblich, dass die Häuser Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Untereinander ist das Netzwerk der Häuser so gross, dass selbst Moritz in vielen Städten Europas einen Schlafplatz in einem besetzten Haus hätte. Die Besetzungen seien keineswegs isoliert. Die Häuser pflegen aber einen stärkeren Austausch innerhalb der Stadt Bern als zu Besetzungen in anderen Städten, sei es national oder international. Hans und Moritz sähen die Vernetzung aber auch gerne weiter wachsen, damit sich der Zusammenhalt verfestigt. Denn schliesslich seien diese alternativen Orte wichtig. «Die Leute sagen: ‹Wir wollen diese Besetzungen nicht.› Aber was denken sie sich eigentlich dabei?», fragt sich Moritz und entgegnet gleich selbst, «Menschen verschwinden nicht einfach so, nur weil man ihnen ihre Orte wegnimmt. Es wird sie weiterhin geben.»

*Name von der «bärner studizytig geändert»