Drei britische Nachwuchstalente und Senkrechtstarter traten im Zürcher Club X-Tra auf. Two Door Cinema Club bewiesen nicht nur mit einer fulminanten Lichtshow, dass sie ganz gross am Kommen sind.

Lichterzauber bei Two Door Cinema Club (Sacha Saxer)

Lichterzauber bei Two Door Cinema Club (Foto: Sacha Saxer)

 

Was für eine Getummel der hippen Indie-Szene. Skinny-Jeans, Holzfällerhemden und Norwegerpullis soweit das Auge reicht. Und noch dazu so jung, dass die obligaten Schnäuze und Vollbärte fehlen.
Nicht so schlimm, denn The 1975 machen alsbald den Start in den Abend. Die Jungspunde aus Manchester bewiesen in ihrem Set durchaus musikalisch gute Ansätze. Vor allem das starke Gitarrenspiel stach mit einfachen, aber treibenden Melodiebögen heraus. Leider konnte die Band stimmlich nicht punkten. Der Sänger klang zu oft wie Joel Madden von Good Charlotte. Aber nicht auf die gute, punkige Weise, sondern eher wehklagend. Eine Ausnahme bildete lediglich der Zweigesang mit dem Schlagzeuger.

Nach The 1975 füllte sich der Saal rasant. Im Fumoir roch es grün und der zweite Stock wurde bevölkert. Da legt man sich am besten gleich einen Plan für den Gang zur Garderobe zurecht.

Dog Is Dead; das sind fünf Musiker, die bereits mit dem Gesang der Vorband etwas voraushatten. Überraschenderweise sah man während des ganzen Konzerts kaum Handys, die in die Höhe gereckt wurden.
Dafür konnten Dog Is Dead das Publikum teilweise dazu animieren, mitzuklatschen. Währenddessen spielten sie einen relativ schnörkellosen Indie-Pop-Rock-Mix. Einen Gang legten sie zu, nachdem Sänger Robert Milton ankündigte: «We’re playing a Rocksong right now…» – Na ja, so rockig war das dann doch nicht. Die frappanten Unterschiede waren zwischen Strophen und Refrain auszumachen. Die Strophen blieben zurückhaltend und poppig, während in den Refrains kräftig aufs Gas gedrückt wurde. Diese härteren Parts erzeugten dafür erheblich mehr Stimmung auf der Tanzfläche.
Die musikalischen Raffinessen von Dog Is Dead sind unterschwellig und auch live nicht offensichtlich.

Wer hat eigentlich die Musikauswahl für den Umbau getroffen? Ich weiss nicht, ob ich im die Hand schütteln oder ihn schlagen möchte. Freestyler von Boomfunk MC oder Darude mit Sandstorm! What the fuck?

Saallicht aus. Lightshow an. Das mit den Handys könnt ihr wieder vergessen.
Two Door Cinema Club brauchten nicht mal einen Song, um zu beweisen, dass sie in einer ganz anderen Liga spielen, als Dog Is Dead oder The 1975. Wenn diese auf dem Mount Everest spielen, hüpfen Two Door Cinema auf dem Mond rum. Der dicht gewobene Teppich aus Indie-Mucke und Synthie-Beats ist tanzbar bis in die letzte Note. Kein Wunder, ist der Hype um die Band derart gross!
Die spektakulären Lichtspiele betrachtete man trotzdem besser vom hinteren Teil des Saals. Da machten die Briten gar Woodkid Konkurrenz. Die Party fand natürlich weiter vorne statt. Ab auf die Schultern, scheiss auf den Freitag. Heute spielt die Musik!
Gross war der Applaus für die jungen Kerle. Selbst wenn das Grundgerüst eines Songs mal langsamer war, liessen die pumpenden, stampfenden Beats keine Zeit zum Schnaufen.
Der Auftritt von Two Door Cinema Club war insofern unheimlich, weil er schon beinahe zu makellos war. Punktgenau schlingerte die Gitarre durch die Riffs, perfekt orchestriert donnerten die Arrangements durch das akustisch immer etwas kritische X-Tra. Ein starkes Konzert!

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