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16’000 Menschen besuchten das 10. Amphi-Festival. Höhe- sowie Tiefpunkte waren wie an jedem Festival vertreten. Was das Amphi aber ausmachte, lest ihr hier.

Die 10. Ausgabe des Amphi-Festival lockte Tausende zum Tanzbrunnen in Köln (Bild: Matthias Hoffmann)

Die 10. Ausgabe des Amphi-Festivals lockte Tausende zum Tanzbrunnen in Köln (Foto: Matthias Hoffmann)

Je mehr man sich auf etwas freut, umso schneller geht es dann leider auch immer wieder vorbei. So geschehen am diesjährigen Amphi-Festival. Wer schon einmal da war, der weiss, dass die Festivaltage immer recht gemächlich starten. So fanden sich auch am Samstag diejenigen zu den ersten Acts ein, welche es bereits geschafft hatten, sich selber im Spiegel zu erkennen, zu frühstücken und sich aufzuhübschen. Und das vor 12 Uhr! Das Programm für diejenigen, die irgendwie alles sehen wollten, war recht sportlich. So sprinteten auch wir hin und her, um für unsere Leser so viel wie möglich aus diesen Tagen berichten zu können.

Höhepunkte – ob in Rot oder Schwarz gehüllt

Bei so vielen Bands ist es schwierig zu sagen, welche die Beste war, denn das ist, wie immer, unheimlich subjektiv. Aber ein paar Höhepunkte, bei denen es allen kalt oder heiss den Rücken runterlief, darf man sicherlich nennen.

Einer dieser Momente war definitiv jener, als das Monument Ensemble die Hauptbühne für sich einnahm. Rote Vorhänge und Kerzenleuchter schufen ein Bild, welches schwarzromantischer nicht hätte sein können. Man braucht nicht separat zu erwähnen, dass die Stimmen der Blutengel Chris Pohl und Ulrike Goldmann perfekt zu dieser klassischen Inszenierung spielten. Andächtig stand das Publikum während des ganzen Konzertes da und liess die musikalische Abwechslung auf sich wirken. Chris Pohl wollte immer wieder sichergehen, dass die Musik auch im klassischen Gewand gefällt. Daran bestand aber kein Zweifel, wenn man in die Gesichter der Menschen sah.

Unzucht liessen es ebenfalls überraschend krachen. Nicht, dass die Band das sonst nicht tut. Aber wenn die ersten Klänge ihrer Version von Entre dos Tierras der Band Heroes del Silencio erklingen, gibt es kein Halten mehr. Die Eigeninterpretation von Unzucht liess die Zuschauer trotz brütender Hitze tanzen und feiern, was das Zeug hielt.

Mein persönlicher Favorit, die Band, die keiner aussprechen kann und schlicht als APOP angekündigt wurde, sorgte für einen Höhepunkt der besonderen Art. Apoptygma Berzerk spielten viele ihrer Hits, unter anderem In This Together, bei welchem jeder mitsingen konnte. Den Vogel schossen die Norweger aber definitiv ab, als sie Major Tom anspielten. Sie sangen Englisch, der feiernde Ball aus Menschen vor der Bühne grölte das gesamte Lied in Deutsch mit. So liess sich Stephan Groth dann gegen Schluss auch nicht lumpen und erstaunte mit deutschen Worten. Völlig losgelöst, sage ich da nur. Stimmung pur, Gänsehaut.

Mein Plan, euch hier einen kurzen Überblick zu verschaffen, scheitert gerade, denn es gab so viele Höhepunkte, dass sie einfach nicht kurz und bündig zu beschreiben sind. Das überlassen wir den Tageszeitungen oder jenen, denen es keinen Spass gemacht hat, wenn ihr einverstanden seid.

Dass Mono Inc., Lord Of The Lost wie auch Eisbrecher echte Stimmungsgaranten waren, kann sich jeder denken. Obwohl schon gefühlte tausend Mal gesehen, schaffen es alle Bands immer wieder, etwas Spezielles auf die Beine zu stellen. So warteten vor allem Eisbrecher mit einer eindrücklichen Pyro-Show auf. Roter Rauch füllte die von Feuersäulen gesäumte Bühne bevor Alex Wesselsky diese einnahm.

Mesh starteten ihr Konzert mitten im Publikum. Aufgrund der etwas verwirrten Fotografen, die verloren im Graben standen als zwar Musik spielte, aber niemand zu sehen war, lenkte man seinen Blick an den Punkt, zu dem das Publikum die Hände streckte. Mark Hockings stand bei der Technik und gab die Ballade Trust Me zum Besten.

Dancing With Tears In My Eyes – ein Titel, der schon beim Lesen den inneren iPod anschmeisst, sollte ein weiteres Highlight dieses Festivals bilden. Midge Ure spielte im Staatenhaus. Und jeder, der schon mal da war, weiss, man geht nur da rein, wenn es wirklich nicht anders geht. Das Konzert von Midge Ure war es allerdings wert. Der Herr hat es immer noch drauf, das Publikum zu begeistern.

Und hier kommt der Nächste: Love Is A Shield – genau, Camouflage liessen es ebenfalls krachen!

Schwachpunkte – eher in Schwarz gekleidet

An einem Festival mit solch grossem Ausmass kann nicht immer nur die Sonne scheinen. Dies musste Front 242 am eigenen Leib erleben. Die Band wollte für ihre Show ihr eigenes Mischpult einsetzen. Dies sollte sich als Fehler entpuppen, denn es ging gar nichts mehr. Dass Jean-Luc De Meyer diese technische Panne nicht ganz so sportlich nahm, machte es aber nicht besser. Mit gut 35 Minuten Verspätung konnte die Band dann leider auch nur noch eine knappe halbe Stunde spielen, bis um 22 Uhr Schluss war an der Hauptbühne. Schade für die Fans!
Mit technischen Schwierigkeiten hatten auch Die Krupps zu kämpfen. Sie nahmen dies allerdings einiges humorvoller hin und unterhielten das Publikum in bester Manier.

Wir drehen den Spiess um

Anstatt uns mit einem Künstler zu unterhalten, haben wir uns aus dem Publikum ein junges Pärchen geschnappt. Katharina (17) und Johannes (18), in der Szene auch Feuerteufel genannt, standen uns ein paar Minuten und Zigaretten Rede und Antwort. Wir wollten wissen, ob sich in ihren Augen am Amphi etwas geändert hat. „Definitiv die Preise“, sagt Johannes. 5 Euro für einen halben Liter Wasser mit Sprudel ist einfach zu viel, sind sich beide einig. Die Eintrittspreise wiederum fanden die beiden für so viele Bands an einem Wochenende absolut in Ordnung. Musikalisch sei das Amphi ein echtes Highlight in sich. Gothic, Industrial und EBM ist ihre Welt. So wurden sie bestens unterhalten.

Johannes und Katharina

Johannes und Katharina (Foto: Matthias Hoffmann)

„Ein Wermutstropfen ist, dass es dieses Jahr keinen Zeltplatz gibt“, erzählt Katharina. „Abends noch nach Hause zu fahren, das hängt schon etwas an. Auch ein paar zusätzliche Schattenplätze würde sie sich wünschen. Und welches waren die musikalischen Höhepunkte für Katharina und Johannes? „Eisbrecher!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Fürs nächste Jahr wünschen sich beide, dass Agonoize und Blutengel wieder auftreten. Letztere auch gerne wieder in der klassischen Formation. Wir bedanken uns bei den Beiden und entlassen sie wieder in die Menge.

Fazit

Das Amphi Festival bietet jedes Jahr für jeden Geschmack einige Highlights, die dieses Festivals absolut besuchenswert machen. Die kleinen technischen Pannen sind immer schnell vergessen, wenn man die Woche danach noch den Festivalblues verspürt und so gar nicht wieder zu den alltäglichen Tätigkeiten zurückkehren möchte. Über die Preise lässt sich streiten, zumal die Veranstalter des Amphi nicht viel ausrichten können, da das Catering über den Tanzbrunnen läuft. Immerhin stehen 3 Trinkwasserstellen zur Verfügung, an denen die Besucher ihre Flaschen gratis mit Leitungswasser füllen dürfen.

Ein Festival ist immer nur so gut, wie die Stimmung der Besucher. Der eine Moment, in dem jeder Einzelne, das gleiche Stück einfach nur geil findet und sich völlig gehen lässt. Solche Momente gab es zuhauf. Auch die hier nicht separat erwähnten Bands haben alles gegeben, um diese beiden Tage zu einigen der besten des Jahres zu machen. Danke Amphi! Bis zum nächsten Jahr!

Fotos: Matthias Hoffmann