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Singer/Songerwriter-Kunst aus Basel trifft auf Zürcher Publikum. Ein Abend im Helsinki und ein Blick auf die neue EP «penpapercoffee» von BAUM.

BAUM – penpapercoffee (zVg)

BAUM – penpapercoffee (zVg)

Schon vor dem Konzert scherzte Christoph Baumgartner, Sänger und Kopf von BAUM, dass es auf der Bühne sehr eng werden würde. Für einmal war dies nicht übertrieben, musste doch André Bader an der Percussion neben der eigentlichen Bühne stehen, und der Rest der Band hatte kaum mehr Platz als ein paar Ölsardienen in ihren sprichwörtlichen Büchsen.

Alleine Tatsache, dass die Soundtechnikerin während dem ganzen Konzert immer wieder ins Publikum wanderte, um sich von der Qualität des Klangs zu überzeugen, zeugt von einer leider viel zu selten anzufindenden Hingabe zur Musik. Wenn nur überall solche Profis am Werk wären. Und dabei waren die Bedingungen echt nicht ideal.  So wurde, um die Schlaginstrumente von Percussion-Spezialist André hinreichend abstützen zu können, schnell mal ein leerer Getränkeharrass als Unterlage für die Instrumente eingespannt. Sah sehr improvisiert aus, erfüllte aber  seinen Zwecke bestens.

Die neue EP, die am 24. Oktober 2014 erscheint, wurde exklusiv ins Set mit eingeflochten, wobei die Band bis kurz vor dem Auftritt noch gar nicht wusste, dass sie auch Manhattan spielen würde. In gewisser Weise war der Abend die Generalprobe für die neue EP, die in der Woche darauf aufgenommen wurde. Man hörte den Künstlern an, dass sie sich in dieser Zusammensetzung wohl fühlen und so lieferten sie dann auch eines der musikalisch stärksten BAUM-Konzerte ab – vor allem die neue Interpretation von Old Oak Standing war überragend.. Gute Voraussetzungen für die neue EP penpapercoffee. Und das ist dabei herausgekommen:

Mit Manhattan geht die EP gleich Vollgas in die erste Runde und zeigt, dass BAUM auch rockige Songs abliefern können. Manhattan ist wohl der positivste Song, den Christoph Baumgartner (zumindest in Zusammenhang mit BAUM) je geschrieben hat. Keine Spur von Melancholie, Verlusten und Beziehungsproblemen ist zu hören. Der Chor der Backing Vocals gibt dem Track zusätzlich eine fröhliche Note, aber auch die Percussions und Gitarren reissen einen auf die Tanzfläche. Eine Nummer mit Club-Potential, wenn sich denn ein DJ etwas neues wagen würde. Der nächste Titel war schon als Single erhältlich, taucht aber auf der EP auch noch als Extended Mix auf: Home One Day. Auch hier zeigt sich BAUM von seiner fröhlichen Seite, besingt die Reise durchs Leben, die Hoffnungen, die man auf diesem Weg hat, und die eventuelle Ankunft bei sich zu Hause. Der Prozess der Selbstfindung; verpackt in einen wunderschönen Text und eine mitreissende Melodie.

Dass er die nachdenklichen, melancholischen Songs noch immer beherrscht, beweist BAUM mit dem Titeltrack Penpapercoffee. Die Auseinandersetzung mit einer gescheiterten Beziehung und dem eigenen Festhalten an eben dieser, das sich Sehnen nach einem Ausweg aus einer verfahrenen Situation, das Nicht-aufgeben-wollen einer Freundschaft, bildlich verpackt in den Versuch, diese Gefühle zu Papier zu bringen. Pure Poesie, unterstrichen nur von sanften Gitarrenklängen und einem traurig verträumten Backgroundgesang, akzentuiert mit den charakteristischen Klängen einer Violine. Die Essenz des Songs aufs Minimum reduziert und grossartig interpretiert.

Before You Moved On ist eine Uptempo-Nummer, die akustisch sehr fröhlich daherkommt und in der Instrumentalisierung einen Kontrapunkt zu den melancholischen Lyrics  darstellt. Helles Glockenspiel stellt sich hoffnungslosen Textzeilen – «You won’t make it very far» – entgegen. Einer der treibendsten BAUM-Songs bis dato und auch für Leute, die weniger auf die Songtexte, als auf den Beat eines Tracks achten, sehr geeignet. Der Song hat eindeutig Radiopotential – ob dieses von den Schweizern Radiosendern auch erkannt und gewürdigt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Mit Coverversionen scheint sich BAUM etwas schwer zu tun, stellt Walk On The Wild Side erst sein zweites Cover nach Bob Dylan’s I Shall Be Released dar. Bei der Qualität seiner eigenen Songs ist es aber auch kein Wunder, dass er sich nicht mit Coversongs über Wasser halten muss. Und so begnügt er sich auch nicht damit, grosse Hits einfach nachzusingen, sondern drückt ihnen seinen unverkennbaren Stempel auf. Während Lou Reed’s Original eine Unbeschwertheit ausdrückt, weist BAUM’s Version eine für ihn schon fast charakteristische Melancholie auf.

Alles in allem hört man der EP an, dass eine neue Ära für BAUM angebrochen ist. Die Musiker haben hervorragend zusammengefunden und auch der Vertragsabschluss mit Warner Music zeigt erste Früchte und sei es nur in der grossartigen Produktion der neuen Scheibe. Und Chapeau, dass sie ihm die Zeit gelassen haben, erst mal nur eine EP und nicht gleich ein komplettes Album aufzunehmen. Manchmal findet sich wohl auch bei den Major-Labels ein Kopf, der was von Musik versteht…

Release
24. Oktober 2014

Label
Warner Music Switzerland

Tracklist
01 – Manhattan
02 – Home One Day
03 – Penpapercoffee
04 – Before You Moved On
05 – Walk on The Wild Side
06 – Home One Day (Extended Mix) (Bonustrack)

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Aktuelle Besetzung
BAUM Vocals, Akustik- und E-Gitarren
Marc Hemantha Hufschmid Drums, Percussion
Marcel Vogler Piano, Vibraphon, Backup Vocals
André Bader Drums, Percussion, Backup Vocals
Ramon Vaca Bass
Giacun Schmid Akustik- und E-Gitarren, Backup Vocals
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