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Dario Zavalloni ist stolzer Italiener, überzeugter Optimist und selbstbewusster Dreadlock-Träger. Aus dieser Mischung entsteht ein lockerer, unkonventioneller und mutiger Look. Wir begleiten Dario auf eine Rasta(sa)fari durch seine ganz eigene Welt.

 

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kl. Die meisten Männer lassen die Finger von auffälligen Farben. Mit Jeans und Tshirt kann man ja nicht viel falsch machen. Mode, dass ist eher was für Frauen, die können da mehr machen. Falsch! Dario Zavalloni beweist uns das Gegenteil. Vielleicht ist es sein südländisches Temperament, das ihn zu knalligen Farben und aufwendigen Mustern greifen lässt. Wenn er mit gelben Hosen und rotem Jackett in der Schule aufkreuzt, zeigt er allen grauen Mäusen, wie der Hase läuft. Farbe ist ihm wichtig, sie spiegelt seine Persönlichkeit wieder. Obwohl Dario jeden Tag etwas anders aussieht, bleibt er sich bei einer Sache immer treu: ein wenig Hippie muss sein. Für das Woodstock-Feeling sorgen in erster Linie einmal die Dreadlocks, ein Traum der sich Dario vor ungefähr zwei Jahren erfüllte. Ausserdem trägt er immer Schmuck: einen Ring in Federoptik, Holzschmuck oder Halsketten mit Metallanhängern. Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Schweiz erreichen, werden Schuhe generell verbannt. Man trifft Dario immer und überall barfuss an.

Den Hippie-Stil verbindet Dario aber nicht mit einem Lebensstil, denn er sagt ganz klar: «Der Hippie-Stil ist wie eine Geschichte, die man sich gerne anhört, bei der man gerne mitspielt. Ich stelle mir gerne vor, wie ich als Hippie gewesen wäre, ich weiss aber genau, dass ich keiner bin.»

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Auf den Geschmack gebracht hat ihn wohl auch der Rastafarismus, eine Religion, die dem Christentum entsprang und seine Ursprünge in Jamaika hat. Die Anhänger dieser Glaubensform erstreben die Rückkehr der Afrikaner in ihr Vaterland, genauer nach Äthiopien. Die geografische Barriere, die durch die Versklavung des afrikanischen Volkes geschaffen wurde, soll nun endlich wieder beseitigt werden. Viele der Anhänger beschränken sich aber mittlerweile auf eine spirituelle Rückkehr. Die Rastas beten einen ehemaligen äthiopischen Kaiser, Haile Selassie an. Aus seinem Fürstentitel lässt sich der Name der Religion ableiten. Dieser lautet Ras Tafari Makonnen. Wer dachte, der deutsche Ausdruck für Dreadlocks, also Rastas, seien der Ursprung, hat zwar unrecht, ist aber nicht ganz falsch. Denn Dreadlocks sind tatsächlich ein optisches Merkmal vieler Anhänger des Rastafarismus. Sie gelten als Symbol für Naturverbundenheit, ausserdem sollen sie eine Distanzierung zur westlichen Welt schaffen.

Die Gleichberechtigung der Afrikaner, die Heilung durch die Natur und die Freiheit des Individuums sind Kernpunkte des Rastafarismus. Dario erzählt mir, dass diese Religion für ihn eine Stütze in der Pubertät war, dass er sich in vielen Punkten wieder finden konnte. Trotzdem sagt er deutlich, dass Rastafari für ihn mehr eine Orientierung, nie aber eine unbestrittene Wahrheit ist. So will er sich mit vielen Dingen des Glaubens nicht identifizieren. «Rastafari bedeutet für mich freies Denken, aber auch Zwänge und Regeln, so wie in jeder Religion.» Tatsächlich gibt es nämlich auch eine Kehrseite der bunten Kultur: Strenge Rastas lehnen Homosexualität mit Bezug auf die Bibel ab und die Frau wird dem Mann untergeordnet. Ausserdem ernähren sie sich vegan. Sie glauben, dass sich der Urmensch nur von Kräutern und Früchten ernährt habe. Alkohol und Tabak werden abgelehnt, dafür trifft man sich zum rituellen Genuss von Cannabis. Bob Marley, der wohl bekannteste Rasta, stimmt zu: «Herb is the healing of a nation, alcohol is the destruction.»

Rot, Gold und Grün sind die Farben der Rastafari-Bewegung. Sie finden sich gehäuft in Darios Kleiderschrank. Am liebsten kaufe er an Märkten, in kleinen Läden und Brockenhäusern. Dabei ist ihm die Wärme des Ortes wichtig. Als ich ihn fotografiere trägt er ein wunderschönes Leinenhemd mit gestickten, blauen Traumfängern beim Ausschnitt. Für den modernen Kick sorgt das blaue Jeanshemd darüber. Die Hose ist leicht hochgekrempelt, die Füsse sind natürlich nackt. Die wilden Dreadlocks, die Dario übrigens selber macht, werden von einem Haarband zurückgehalten. Die dunkeln Augen funkeln fröhlich und würdigen, wie auch die buschigen Augenbrauen, Darios italienische Wurzeln.

Beim Fotoshooting lässt er sich nicht zwei Mal bitten, einfach wild herum zu tanzen. Denn wie schon Bob Marley erkannte, weiss er: «My money is not my richness. My richness is to walk on the earth barefoot.»

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