Also wenn einer völlig durchgeknallt ist, dann Andrew W.K.. Der Partykönig und seine sechs Bandmitglieder feierten am Freitag im Salzhaus, was das Zeugs hielt. Die Meute – auch wenn sie sehr klein war – drehte durch und «brrrüüüttten» mit der Band um die Wette.

Das Salzhaus war um 21:30 immer noch gähnend leer. Es tummelten sich höchstens 100 Personen in der Location und es waren auffällig viele Englischsprechende dabei. Andrew musste wohl noch Verstärkung für sein erstes Konzert in der Schweiz mitbringen. Was aber als erstes ins Auge sprang, war das nasenblutende Hello Kitty, welches neben den restlichen Andrew W.K.-Shirts an der Wand hing. Wieso er auf seinem Cover vom Album I Get Wet sich mit heftig blutender Nase abgebildet hat und wieso nun das süsse Kätzchen auch noch darunter leiden muss, ist immer noch ein Rätsel. Aber eben, das ist Andrew wie er leibt und lebt – einfach verrückt.

Mit lautem Sirenengeheul und Gedröhne, das angefühlte, als ob man einen Vibrator verschluckt hat, startete Andrew mit seiner Band in den Abend. Natürlich wählten sie als Öffner den Welthit Party Hard. Ehe man sich versah, hüpften und pogten die Leute vor der Bühne herum, als wäre es ihre letzte aber beste Party ever. Die Band gab den Fans alles zurück und hielt, was sie bei der Konzertankündigung versprach. So dröhnten all ihre Hits wie We Want Fun oder I Love New York City durch die Lautsprecher. Die Energiebündel hüpften, tanzten, schwangen ihre Haare und gönnten sich fast keine Pause. Ausser als sie schon nach einer dreiviertel Stunde das erste Mal ihren letzten Song ankündigten und kurz von der Bühne gingen. Der schnelle Abgang war zum Glück bloss ein Fake und ihr erstes Schweizer Konzert ging gewohnt wild weiter.

Der ungewöhnliche Partyrock klang zwar ewig gleich, aber langweilig wurde es trotzdem nicht. Nach jedem Song gab Andrew auf seinem Keyboard ein kleines Intermezzo und sprach einige, meist eher unverständliche Worte zum Publikum. Verstehen muss man diesen schrägen, aber irgendwie sympathischen Vogel ja nicht. Der Running-Gag war sein «Brrrrrrrrüüt», welcher er immer wieder von sich gab. Was er mit diesen Lauten genau mitteilen wollte, weiss wohl nur er selber.

Dass sie aber auch anders, härter können, bewiesen sie am Schluss mit einer kleinen aber feinen Heavy Metal-Einlage. Auch mit Andrews Klavierkünsten könnte die Band wohl noch einiges mehr bieten, als nur Ballerman Rock. Doch die Fans – tendenziell eher männlich – störte das gar nicht. Sie holten alles aus dem Konzert heraus, was sie nur konnten. Einige versuchten sich wagemutig im Crowdsurfing – so gut das bei ca. 100 Personen halt geht – und andere liessen sich ihre Arme von Andrew signieren. Das Beste kam aber zum Schluss. Ganz nach dem Motto “Backstage? Was ist das? We are on stage!“, liefen die Fans einer nach dem anderen auf die Bühne und rockten das Konzert nochmals mit Party Hard zu Ende. Die Bandmitglieder hatten sichtlich Freude und kamen im Anschluss, als der Vorhang sich schon schliess, von der Bühne runter und bedankten sich bei einigen Fans per Handshake. Das nennt man Publikumsnähe.

Für das Konzert gibt’s auf jeden Fall drei Brrrrrrüts.