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Ein weiteres Mal haben sowohl Musiker wie auch Location bewiesen, das östliche Musik nicht nur nach Zürich passt, sondern hierhin gehört – als unbestreitbare Bereicherung für die Musiklandschaft Schweiz.

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fbo. Gekommen ist man – wenn man sich mit der Musik, die seit einiger Zeit im Moods unter dem Motto «Balkankaravan» präsentiert wird, nicht so auskennt – wegen dem mittelgrossen Star Shantel, der natürlich seinen Hit Disko Partizani performen würde. Geblieben ist man aber, weil man gemerkt hat, dass das nicht das einzige Stück mit dem Potential zum internationalen Erfolg über die geografischen und mentalen Grenzen des Ostens zu unserer Welt hinaus ist.

Das Moods, der perfekte Gastgeber

Es stört nicht, dass der kleine Club zum Bersten voll ist; die grosse Masse verschiebt sich harmonisch, die Temperatur bleibt erträglich, man lässt sich vollkommen mitreissen. Keine Zeit für kritische Beobachtungen. Das Moods sucht sich die richtigen Bands aus und lockt das passende Publikum an, die kleine Location im Schiffbau weiss einfach, wie’s geht. Enttäuschungen gibt es hier keine. Und so auch am Samstagabend: erschöpft aber vollkommen zufrieden rettet man sich ab und zu an die frische Luft, wo sich die Besucher des Konzerts mit den Besuchern des Theaters und umliegender Clubs vermischt, die Security steht umsonst herum, denn diese Leute sind aus einem Grund hier: um Spass zu haben.

Sympathischer Glatzkopf mit westlichem Flair

Auffallend ist, dass die Leute, die im Moods auf der Bühne stehen, ganz und gar nicht anders aussehen, als die, die sich auf der Tanzfläche bewegten. Jegliche Vorurteile und stigmatisierte Anschauungen, zu denen Schweizer und andere Westler bekanntlich neigen, können nach fünf Minuten beiseite gewischt werden. Erstens, weil alles so durchmischt ist, dass schon wieder alle gleich sind; gutgelaunt und sympathisch. Und zweitens, weil alle etwas vereint; die Liebe zur Musik. Musik, die einen an den Hüften packt und herumwirbelt, Musik, die scheinbar den Boden in Bewegung versetzt, denn es steht ganz einfach niemand still. Die Songs kennt man natürlich nicht, und noch weniger versteht man den Text, aber das hält niemanden davon ab, vollkommen einverstanden zu sein mit dem, was die netten Musiker zu sagen haben.

Ausserhalb von Zeit und Gesellschaft

Shantel und das Bucovina Club Orkestar spielen nicht einzelne, volkstümliche Lieder; das Konzert ist ein einziges, ganzheitliches Event, die Melodien überlagern sich, man improvisiert, wiederholt, probiert aus. Die verschiedenen Stücke überschneiden sich, was in einem Fluss resultiert, der einen Zuschauer aus allen Normen hebt: man schaut nicht auf die Uhr und hört nicht auf, zu tanzen. Es ist Pause, und das geniesst jeder. Wenn man rausgeht, um frische Luft zu holen, regnet es vielleicht, oder noch nicht, oder nicht mehr, aber das macht nichts, man bekommt es gar nicht wirklich mit. Balkankaravan nimmt einen total ein und lässt keine Ablenkungen zu. Die Trompetisten, Schlagzeuger und Sänger verlangen einiges von einem, bieten aber noch viel mehr. Und trotz allem ist Balkankaravan doch ein Aufeinandertreffen zweier Kulturen: hier gilt der Takt, der auf der Bühne angegeben wird, ohne Wenn und Aber.

Schliwowitz

Gerade, als das Konzert dann vorüber ist und die Musik von live auf Radio umgeschaltet wird, merkt man den Unterschied: den Energieverlust, die Herzlosigkeit. Aber wenn man darüber hinwegzusehen vermag, ist es durchaus empfehlenswert, den Abend im Moods ausklingen zu lassen. Mit einem guten Bier oder einem Schliwowitz.