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Die Handelsförderungsabteilung der italienischen Botschaft lädt zur Fisch-Degustation im Dolder. Was wie eine noble Werbeveranstaltung klingt, treibt Blüten, die nicht immer nur lecker, sondern bisweilen auch skurril sind.

Garnelen mit Fenchel und Orangen (Fotos: Evelyne Oberholzer)

Garnelen mit Fenchel und Orangen (Fotos: Evelyne Oberholzer)

Schweizer mögen Fisch. Und die Italiener, insbesondere jene, die an der Küste wohnen, haben Fisch. Sie fangen ihn und sie verkaufen ihn. Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern ist naheliegend, und natürlich wirkt es sich positiv auf die Verkaufszahlen aus, wenn die Produkte spektakulär präsentiert werden.

So zumindest in der Theorie. In der Praxis nimmt die Veranstaltung bisweilen recht bizarre Züge an. Da sind die vielen holprigen Übersetzungen auf den PowerPoint-Folien, die den Vortrag bisweilen unfreiwillig komisch machen. Ob sich die Dolmetscherin mit ihrem Job schwer tut oder ob sie die Satzfragmente des Redners weiter gibt, lässt sich nicht nachvollziehen. Jedenfalls werden auf dem Podium die drei Firmen vorgestellt, die Meeresprodukte exportieren. Gesprochen wird von Qualität, von nachhaltigen Prozessen, von der traditionellen Fischerei.

Der Hinweis, dass die Produkte alle aus «nicht kontaminierten Teilen des Mittelmeers» kommen, stösst etwas sauer auf, wenn man im Hinterkopf hat, dass Wasser bisweilen weite Strecken zurück legen kann und die sizilianischen Mafiosi dafür bekannt sind, dass sie Sondermüll in Nacht- und Nebelaktionen auf dem Meeresgrund entsorgen. Ein klares Statement, wie man zu Problemen wie Überfischung steht, kommt von keiner der drei beteiligten Firmen. Dabei hätte man sich gerade von einem Unternehmen, das sich «Blue Growth» nennt, derartige Richtlinien erhofft. Doch mehr als gedroschene Phrasen, hübsche Bildchen und holprige Sätze werden nicht geliefert.

Roher Barsch mit Limonen-Gelee

Roher Barsch mit Limonen-Gelee

Schliesslich sind die Vorträge zu Ende, und die Aufmerksamkeit verlagert sich von den Referenten zu den Köchen hin. Nun kommt Leben in die Veranstaltung. Während sich manche Köche auf ein aussergewöhnliches Gericht spezialisiert haben, werden anderswo Häppchen serviert, die dem Gaumen vertraut erscheinen, wie die Miesmuscheln an Kräutersauce.

Die Haute Cuisine allerdings ist spektakulärer, wenn auch nicht zwingend schmackhafter. Ein sympathischer junger Koch richtet rohen Fisch auf etwas an, das wie Tannennadeln aussieht und auch so schmeckt. Während ich das Häppchen auf der Zunge ausbreite, kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass mir das Gericht besser schmecken würde, wenn der Fisch gekocht wäre und auf Spinat statt auf Tannennadeln serviert werden würde – aber vielleicht bin ich einfach nur ein Kultur-Banause.

So komme ich mir während der Veranstaltung übrigens immer wieder vor: Hin- und hergerissen zwischen dem dreckigen Lachen eines Punks, der spottend vor einer Bank steht, und der Anerkennung, die ein Gebäude wie das Dolder durchaus auslösen kann. Da ist beispielsweise die Lounge, ein perfekt abgestimmter Mix aus moderner und alter Kunst, Vintage-Möbeln und geleckter Schickeria. Während ich in eben jener Lounge auf den Beginn der Präsentation warte, trinke ich den teuersten Tee meines Lebens. Dafür ist die Tasse wunderschön: Ein goldener Baum-Print erstreckt sich über das hauchdünne Porzellan.

Genitalien, Spinnenbeine, Disneytierchen_ Skulptur von Paul McCarthy, umringt von teuren Autos

Genitalien, Spinnenbeine, Disneytierchen_ Skulptur von Paul McCarthy, umringt von teuren Autos

 

Insofern passt das Dolder mit seinem gewählten Interieur auch zu der Veranstaltung. Der Kenner wird schätzen, was ihm an Exquisitem vorgesetzt wird. Der Nicht-Kenner nimmt die Hochkultur mit einem verständnisvollen Nicken zur Kenntnis. Nichts desto trotz kommt man auch als Punk auf seine Kosten. Zum Beispiel vor dem Tresen des Kochs, der Crevetten mit Zitronensauce anrichtet.

 

Die Zubereitung ist eine Show und das Essen ausgezeichnet. Und gutes Essen weiss jeder zu schätzen. Auch wenn der Info, der Fisch stamme aus nicht kontaminierten Gebieten, irgendwo im Hinterkopf rumschwimmt.

Babycthulhu-Wurst. Wenn das der Papa wüsste!

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