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Die Solothurner Rockband Basement Saints steht bereits seit fünf Jahren auf der Bühne und spielte schon bei diversen nationalen und internationalen Events. Diesen November tauften die drei Musiker ihr neues Album. Der Abend der Plattentaufe war für sie voller Spannung und Erleichterung zugleich.

Ein Gastbeitrag von Marc Schneeberger

Es ist kurz nach 23 Uhr und in der Kulturfabrik Kofmehl gehen die Lichter in der Haupthalle aus. Es ist nur das Lichtpult inmitten des Raumes zu sehen und zu hören sind lediglich einige dumpfe Gespräche. Plötzlich ertönt ein berstendes E-Gitarrenriff von der Bühne her und der Vorhang fällt! Zwei dreckig verzerrte E-Gitarren, ein durchwirbelndes Schlagzeug und eine Stimme so rau wie der Wind, mehr braucht es gar nicht. Das Publikum schaut von der ersten Sekunde an gebannt zu den drei langhaarigen Jungs hinauf und beginnt gleich im Rhythmus des Schlagzeugs mitzuspringen.

Anfänge

Fünf Stunden zuvor sieht es im Kofmehl in Solothurn noch ganz anders aus. Der «Rostwürfel», wie ihn Solothurner liebevoll nennen, ist praktisch menschenleer, abgesehen von ein paar Technikern in den Gängen. Es riecht noch nach Bier und Schweiss vom Vorabend.

Die Basement Saints sind bereits in der Halle und machen sich bereit für den Soundcheck. Da sie das ganze Equipment bereits am Vortag aufgestellt haben, kann gleich die Feinabstimmung von Lautstärken und Licht ausprobiert werden.

Schlagzeuger Samuel Jaussi (links) und Sänger Anton Delen (2.v.l.) mit Crew-Mitgliedern im Backstage-Bereich vor dem Auftritt. Bild: Marc Schneeberger

 

Ausprobieren mussten die Basement Saints auch zu Beginn ihrer Karriere. Nachdem sich Anton Delen (Gesang und Rhythmusgitarre) und Tobias Arn (Leadgitarre) an einem Konzert kennengelernt hatten, wussten sie, dass ihre musikalische Zukunft in einer gemeinsamen Rockband liegen wird. Mit dem Schlagzeuger Ivan Rende an Bord waren die Basement Saints im August 2012 schliesslich geboren.

Band, Vorband und das ganze Team stärken sich vor dem Konzert beim gemeinsamen Abendessen. Bild: Marc Schneeberger

Erste Erfolge

Um 19 Uhr trifft die Vorband Annie Taylor aus Zürich im Kofmehl ein. Sie kennen die Band schon länger und begrüssen sie dementsprechend herzlich. «Heute Abend ist unser Jahreshighlight, weil wir mit Freunden spielen können», sagt Gini, die Sängerin des Support-Acts.

Auch die drei Solothurner begannen, wie alle Bands, als Vorgruppe und erklommen die Karriereleiter zunächst mit kleineren Schritten. Nach dem zweiten Rang am Emergenza-Bandcontest 2013 in Bern verliess Rende die Gruppe und so musste ein neuer Schlagzeuger her. Sie fanden diesen schnell in Samuel Jaussi, der ebenfalls aus der Region stammt. Nur ein paar Monate später veröffentlichten sie die erste EP. Im Jahr 2016 tourten die drei Musiker dann mit ihrem ersten Album Get Ready durch die Schweiz, Deutschland, Holland, Frankreich und Spanien. «Es kommt der Moment, an dem man alles auf eine Karte setzen muss», erklärt der heute 29-jährige Arn und verdeutlicht damit die damalige Situation.

Ruhe vor dem Sturm

Beim gemeinsamen Nachtessen mit Vorband und Crew gibt es viel Gelächter und Neckereien. Auch in dem mit Aufklebern, Plakaten und Spielgeräten vollgepackten Backstage-Bereich wird heiter diskutiert und geraucht. Erst als sich das Konzert der Vorband dem Ende zuneigt, sind erste Spuren von Aufregung in den Gesichtern der Jungs zu erkennen. «Ich bin schon den ganzen Tag nervös», verrät Jaussi und wirkt dabei als jüngstes Bandmitglied (Jg. 1992) überraschend ruhig. Die Kulturfabrik ist nun rappelvoll.

Zum Kofmehl haben die Kellerheiligen seit jeher eine gute Beziehung. Im April 2015 spielten sie im Rahmen der 8×15-Konzertreihe von SRF Virus und ein Jahr später zur Plattentaufe des ersten (per Crowdfunding finanzierten) Albums im Solothurner Kulturlokal. Nun durften sie auch die zweite Platte am selben Ort einweihen und standen dabei vor einem dicht aneinander gedrängten Publikum.

Dynamik und Leidenschaft

Die Bühne wird für den Haupt-Act umgebaut während sich die drei Musiker im Backstage-Bereich langsam für den Auftritt vorbereiten. Sie wirken zwar angespannt, es ist jedoch keine Spur von Unsicherheit mehr zu spüren.

Mit seinen Trommeln und Becken bildet Samuel Jaussi das Fundament ihrer dynamischen Musik. Bild: Marc Schneeberger

Dann ist es endlich soweit! Nach einem letzten Kampfschrei laufen sie die Treppe zur Bühne hinunter und installieren sich blitzschnell hinter den Instrumenten. Was danach folgt, ist ein Rockkonzert mit Vollgas vom ersten Ton an. Die eingängigen Gitarrenriffs eifern mit hämmernden Tom-Wirbeln und einer aussergewöhnlich rauchigen Stimme um die Wette. Das Set mit alten und neuen Songs ist dramaturgisch sowie songtypmässig abwechslungsreich und gespickt mit Solis aller Mitglieder.

Voller Leidenschaft sing Anton Delen über die Liebe zum Skateboarden und zur Rockmusik. Bild: Marc Schneeberger

Auch das Publikum hat ordentlich Spass am Konzert. Bild: Marc Schneeberger

Als «gerade heraus und wuchtig gespielten Hardrock», beschreibt Hans Peter Schläfli die Musik der Saints in der Solothurner Zeitung vom 27. November 2017. In der Hälfte des Auftrittes kommt Sandro de Rigo, ehemaliger Roadie von Krokus und Def Leppard, als Taufpate auf die Bühne und tauft das neue Album standesgemäss mit Bier und Band zusammen auf den Namen Bohemian Boogie. Nach mehreren Zugaben und zwei Stunden Spielzeit ist das Konzert um ein Uhr morgens vorbei.

Wie weiter?

Die Band sowie die Zuschauer sind komplett ausgepumpt, aber dennoch glücklich. Die Erleichterung steht den dreien ins Gesicht geschrieben. «Es war geil, einfach nur überwältigend», offenbart Delen strahlend nach dem Konzert. Eine Platte selbst zu finanzieren ist alles andere als selbstverständlich, denn von der Musik alleine können die Solothurner (noch) nicht leben. Sie haben alle eine Festanstellung als Polymechaniker, Maler und Konstrukteur um das nötige Geld zu verdienen.

Dominic Dillier (SRF Rock Special) über die Basement Saints

Und das war erst der Anfang, denn die Release-Tour des neuen Albums führt die Basement Saints im nächsten halben Jahr quer durch die Schweiz, Österreich und Deutschland. So spielten sie unter anderem am 12. Januar 2018 das einzige Schweizer Konzert des Monats im Gaswerk in Seewen.

Der Solothurner Rostwürfel leert sich allmählich und die Leute machen sich mit einer gehörigen Portion Rock’n’Roll in den Ohren auf den Heimweg. Die Band lässt die Nacht währenddessen bei Bier, Zigaretten und Konversationen mit Freunden und Fans langsamer ausklingen, als es ihre Musik möglicherweise vermuten lässt.

Rock – Made in Switzerland

Der Bandbus rollt in den nächsten sechs Monaten im Rahmen der Album-Release-Tour durch die Schweiz, Österreich und Deutschland. Bild: Marc Schneeberger