Es war ein schöner, lauer Herbstnachmittag, an dem Thomas Sabottka und Ingo Römling sich mit uns ins Café setzten und Negative White Rede und Antwort standen. Nun wurde das zwei Stunden dauernde Gespräch gefiltert. Unsere Fragen und ihre Antworten gibt es hier zu lesen.


Fiona Styner: Thomas, du hast mir im Vorfeld gesagt, dass von dir noch was rauskommt diesen Herbst?

Thomas Sabottka: Ja, aber nichts Neues. Das eine ist, dass Periplaneta Tremendista neu auflegen wird. Das ist einer der ersten drei Romane, die ich geschrieben habe. War witziger Weise der von den Dreien, der sich am schlechtesten verkauft hat, aber Tom mag den und meinte, er wolle den nochmals rausbringen. Jetzt wurde der nochmals komplett überarbeitet und mit einem richtigen Lektorat bearbeitet. Es gab jetzt auch dementsprechend Änderungen. Dafür ist eine Lektorin ja da, dass sie sagt, an der und der Stelle sollte man was ändern. Daher ist er einerseits jetzt etwas kürzer, hat dafür aber ein anderes, alternatives Ende drin. Was dann auch im Nachwort steht, und das ist das Amüsante daran, dass Ingo jetzt auch hier ist, denn an dem Ende ist der Ingo Schuld.

Ingo Römling: Ist es jetzt „das“ Ende?

TS: Jetzt sind es beide. Ich hab damals die erste Fassung geschrieben und Ingo gegeben, weil ich wollte das er das Cover Artwork macht und Ingo fand das erste Ende nicht ganz so toll und hatte eine Idee wie es doch enden sollte. Das war der Schluss, mit dem es bei Periplaneta – zusätzlich zum alten Ende – neu veröffentlicht wird. Der Leser kann dann selber entscheiden, welches ihm besser gefällt. Ausserdem werden die Rock’n’Roll Stories 1 wieder veröffentlicht, die vor zwei Jahren erschienen sind. Das war damals ein reines Hörbuch. Die werden jetzt analog zu den Rock’n’Roll Stories 2 die im Frühjahr bei Periplaneta erschienen sind nochmals aufgelegt. Mit Buch, mit neuen Geschichten drin. Auch auf der CD ist auch eine neue Geschichte dabei, die auf der ersten Fassung nicht vorhanden war. Daher nicht direkt was Neues. Was Neues kommt dann aber nächstes Jahr!

Was hast du gerade für Projekte, Ingo?

IR: Ziemlich viele. In den letzten Wochen koche ich sozusagen auf hundert Töpfen. Ich bin gerade musikalisch viel unterwegs. Was das Zeichnen angeht, da hab ich im Moment einen ganz normalen Job für Schulbücher. Ich habe zwei neue Comic-Projekte vom Zaun gebrochen, die liegen jetzt aber erst mal in der Präsentation beim Verlag rum. Das eine ist mit dem Autor Peter Mennigen zusammen, der war in letzter Zeit vor allem im Hörbuch- und Hörspielbereich tätig und da wird nun eine recht erfolgreiche Hörspielserie von ihm als Comic umgesetzt. Ich will jetzt den Namen nicht vorwegschnappen, denn wie gesagt, es ist noch in der Präsentationsphase. Nach Plan ist es als Serie gedacht.
Dann das andere, das mache ich auch mit einem befreundeten Autor, Christopher Tauber, mit dem ich auch zusammen bei Die Toten, der Zombie-Serie, gearbeitet habe. Auch ein ganz eigenes Projekt. Der Christopher hat so einige Sachen in der Schublade, schon seit Jahren, und da ist auch schon letztes Jahr die Idee entstanden, ob wir nicht mal was ganz Eigenes machen wollen. Dann kam er mit einer coolen Idee. Eine Mischung aus Mistery und Thriller, aber auch Jugendszene-Schilderungen. Ich habe auch bereits ein paar Zeichnungen gefertigt, ein Verlag ist angefragt worden, der sehr begeistert war. Aber wird wohl noch etwas dauern, bis alles konkreter wird.
Ansonsten arbeite ich natürlich auch wieder mit Letzte Instanz zusammen. Dann bin ich gerade an einem Cover Artwork für eine aufstrebende Band namens Burn, die im letzten Jahr als Support für Schandmaul gespielt haben. Ich find sie sehr gut und gestalte ihr neues Album, das bereits Anfang des nächsten Jahres erscheinen soll. Daher ist der Zeitrahmen sehr knapp.

Ich hab dich jetzt ein Jahr nicht gesehen und Thomas seit dem Frühling nicht. Was ist denn in dieser Zeit alles passiert?

IR: Dieses Jahr ist wirklich turbulent. Im Vergleich zu 2010, das gegen Ende etwas ruhiger war Ich hatte im Allgemeinen den Eindruck, mit der ganzen Wirtschaftsflaute geht es nur noch bergab. Zum Jahreswechsel hat sich das total geändert und da war dann eine ganz andere Stimmung. Dieses Jahr ist für mich und für die Leute, mit denen ich zusammenarbeite: Aufbruch! Auf geht’s jetzt!

TS: Stimmt schon. Wenn ich jetzt daran denke, als ich das letzte Mal von Janosch Tröhler für Negative White befragt worden bin, da hat er mich auch gefragt wie es mit neuen Veröffentlichungen aussieht und ich habe damals gesagt, gar nichts. Denn ich wollte  definitiv nichts mehr veröffentlichen, was ich selber bezahlen muss. Wenn ich also keinen Verlag finden würde, dann würde es nichts geben. Wenn ich mir das jetzt so überlege, dass 2011 gleich drei neue Publikationen von mir erscheinen, dann ist definitiv eine Menge passiert! Ist eigentlich schön.

IR: Ja, bei mir auch. Seit August bin ich bei einer Agentur für meine Künstlervertretung. Da wird sich auch einiges verändern, damit ich mehr Zeit habe, mich um meine Arbeit zu kümmern und weniger um die Organisation. Das ist, glaube ich, ein relativ grosser Schritt, aber das wird sich noch rausstellen. Läuft bisher aber gut an. Es ist wirklich viel, mir fällt grad gar nichts konkret ein. Lass mir mal Zeit zum Überlegen, vielleicht find ich dann ja noch was. Eine schöne Anekdote oder so etwas.

Thomas, weisst du denn schon, ob deine anderen Romane auch noch neu aufgelegt werden sollen?

TS: Das kommt darauf an wie der Stierkampf ausgeht. Je nach dem, wie sich Tremendista verkauft. Ich weiss es nicht und  Periplaneta macht es schon vom Verkauf abhängig. Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, das überhaupt einer davon neu verlegt wird. Tom kannte Tremendista damals schon als Leser und fand ihn einfach gut. Mir persönlich ist das egal. Wenn sie neu aufgelegt werden, habe ich nichts dagegen. Sie müssten dann einfach genau wie Tremendista ganz neu überarbeitet werden. Das war für mich recht spannend, mit einer professionellen Lektorin zusammen zu arbeiten, um dann ein Word-Dokument zurückzukriegen, das nur rot ist. Es ist aber wirklich eine Entscheidung, die der Verlag treffen muss. Es geht dabei ja um Zielgruppengeschichten. Periplaneta ist der Auffassung eine Zielgruppe für Tremendista zu haben, die der Roman damals in meiner eigenen Veröffentlichung nicht so richtig hatte. Einfach ausgedrückt war er halt etwas deplatziert in der Schwarzen Szene und die Leute konnten dann auch mit dem Sujet nicht so recht was anfangen. Stierkampf, Flamenco und das alles. Tom meint, dass Periplaneta diese Zielgruppe hat. Mir wird auch langsam klar, welche Zielgruppe sie ansprechen wollen. Jetzt sind die ersten Pressemitteilungen raus und im Untertitel heisst es da „Ein Berliner Jugendroman für Erwachsene“. Die legen da denn Schwerpunkt darauf, dass es die Klassische Coming-of-Age-Story ist und dass er halt viel mit Berlin zu tun hat. Das ist der Punkt, wo Periplaneta einhaken will. Ich bin sehr gespannt.
Am 26.11.11, wenn das Buch bei Periplaneta erscheint, werden wir es bei der Stadt, Land, Buch so einer mehrtägige Messe in Berlin, präsentieren. Wenn alles klappt, das ist noch nicht ganz sicher, dann werde ich die Präsentation da mit einem echten, authentischen Flamencotänzer machen. Da werde ich dann schon mal sehen, was da für ein Publikum kommt.
Ansonsten laufen die Rock’n’Roll Stories sehr gut und deswegen wird ja auch die erste Ausgabe neu aufgelegt und nächstes Jahr wird es auch sicher eine Dritte geben. Von meiner Seite aus ist für nächstes Jahr auch einen neuer, langer Roman geplant. Jetzt war ich immer an den Kurzgeschichten, die mit den Rock’n’Roll Stories veröffentlicht und vorgetragen werden. Die Ideen für lange Geschichten sind alle auf meinem Rechner liegen geblieben und da habe ich schon richtig Lust darauf, die umzusetzen und der Verlag ist jetzt ja da. Das ist jedenfalls mein Ziel für nächstes Jahr. Deswegen ist es mir auch egal, ob Play und Rewind neuveröffentlicht werden oder nicht.

Klingt auf jeden Fall spannend. Danke für eure Zeit und das Gespräch.

Bilder: Fiona Styner