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Biffy Clyro befinden sich gerade im Spagat zwischen stickigen Clubs und riesigen Stadien. Spätestens seit dem aktuellen Album «Opposites» gelten sie als Anwärter in die höchste Alternative-Rock-Liga. Daher wunderte es nicht, dass das X-Tra in Zürich bereits Wochen vor dem Konzert ausverkauft war.

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Schweisstreibende Rock-Show – Biffy Clyro (Foto: Daniela Stadlauer)

ds. Für mich persönlich startete der Konzertabend gleich mit einer herben Enttäuschung: Die Vorband Dry The River musste spontan absagen, weil sie wegen einer Autopanne immer noch in Deutschland feststeckten. Nun gut, an ein Biffy Clyro Konzert geht man ja eigentlich auch nicht wegen der Vorgruppe, so wurde kurzfristig mit den Rag Dolls aus Olten einen Ersatz gefunden. Als ich den Konzertsaal betrat, hatte das junge Trio das Publikum zum grössten Teil bereits im Sack. Mit ihren fröhlichen Pop-Rock Melodien hätten sie vom eigentlichen Support Dry The River, die sich mit schwermütigen Folk-Rock Songs den Weg in mein Herz erspielt hatten, nicht weiter entfernt sein können. Dem Publikum schien jedenfalls zu gefallen, was sie vorgesetzt bekamen. Es wurde artig mit geklatscht und auch zum Schluss, als der Sänger unbedingt noch ein schönes Facebook-Föteli machen wollte – denn wann spielt man schon das nächste mal im vollen X-Tra? – und dazu einige Versuche brauchte, wurden geduldig die Arme in die Luft gestreckt.

Mit dem Discohit We Are Family als Intro fungierend, freuten sich alle auf Biffy Clyro. Meiner Meinung jedoch fast etwas zu lange. Gerade als ich mich anfing zu fragen, wie lange der Song überhaupt noch gehen konnte, betraten sie dann doch noch die Bühne und starteten den Auftritt mit dem ruhig beginnenden Lied Different People. Ganz schön ruppig dieser Übergang. Ich hätte eher mit einem Song losgelegt, der bereits von Beginn weg los feuert, oder noch besser; ein anderes Intro gewählt. Wie auch immer, künstlerische Freiheit möge gegeben sein und nein, ich werde jetzt nicht jedes kleinste Detail der Show zerpflücken. In der Tat ist dies wohl das einzige Haar in der Suppe, das ich finden konnte. Was Biffy Clyro boten gefiel mir insgesamt sehr gut und auch die textsicheren Zuschauer brauchten nicht lange, bis sie Biffy Clyro und auch sich selbst feierten und in der Mitte des Saals zu moshen begannen. Die Parole «I’m a fire and I’ll burn, burn, burn tonight» aus dem dritten Lied Who’s Got A Match? wurde also direkt angewendet.

Ohne die Zuschauer ständig mit nervigen mit-mach Ansagen anzuspornen, war stets gute Stimmung in der Halle. Biffy Clyro lieferten einfach ihre Art einer Rockshow ab, die einerseits reduziert war, andererseits Dank einer Lightshow, die auf der überschaubaren Bühne fast schon etwas zu übertrieben wirkte. Lieder wie Biblical oder The Master, welche durchaus als künftige Stadien-Hymnen vorstellbar sind, fesselten dabei genau so sehr, wie auch die in der Halbzeit des Auftritts platzierten ruhigeren God & Satan und Folding Stars, welches von Frontmann Simon Neil alleine auf der akustischen Gitarre vorgetragen wurde. Am Ende der Zugabe wurde dann nochmals ordentlich aufgedreht: Lichtblitze, ekstatisch umherspringende Fans, lautes Mitsingen und auf der Bühne Biffy Clyro, die sich in den letzten 90 Minuten gerade ein kleines Stückchen weiter in Richtung Rock-Olymp spielten.