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Ein ausverkaufter und vollgestopfter Komplex 457, verschwitzte, nackte Oberkörper und zerzauste Mähnen – Amon Amarth überzeugten am Freitagabend wie gewohnt, Carcass dagegen triumphierten.

Amon Amarth erneut zu Gast im Komplex457 (Sacha Saxer)

Amon Amarth erneut zu Gast im Komplex 457 (Foto: Sacha Saxer)

Da schmolz der frisch gefallene, erste Schnee wieder dahin: Im Komplex herrschten eher tropische Temperaturen als Winterstimmung. Carcass als zweiter britischer Supportact nach Hell spielten vor dichtgedrängtem und schon ordentlich angeheiztem Publikum. Dies verwunderte wenig, denn eine kleine Umfrage im Publikum ergab: Ungefähr ein Drittel des Publikums bestand aus «Die-Hard-Carcass-Fans», welche in erster Linie ihretwegen gekommen waren! Die Pioniere des extremen Metals haben im September 2013 nach 15 Jahren Funkstille ihr Album Surgical Steel veröffentlicht, an welchem seit gefühlten Ewigkeiten schon gebastelt, geschraubt und operiert wurde. Seither sind Carcass wieder in aller Munde. Nicht nur besagtes Album wird mit Lob überschüttet, auch ihre Liveperformances werden hochgelobt. Absolut zu Recht, wie sich gestern Abend zeigte – die bestehenden hohen Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Ihre säuberlich portionierte Mischung aus knüppelharten Riffs und technischen Verspieltheiten liessen wohl jedes Death Metal-Herz höherschlagen und was einem an Vocals entgegengeschrien, -gehustet und -gegrunzt wurde war Todesmetall in Bestform.

Nun schliesse ich mich in meiner Lobrede auf Carcass offensichtlich dem besagten Drittel der gestrigen Besucher an, was jedoch nicht heissen soll, dass Amon Amarth nicht überzeugten, im Gegenteil. Die Schweden hatten mit einem sympathischen «Nice to be back!» das Publikum in null komma plötzlich im Griff und die Mähnen flogen. Die Openers stammten vom aktuellen Album Deceiver of the Gods, welches unter Fans und Kritikern mehr als jedes andere Amon Amarth-Album polarisierte. Was ihre Live-Auftritte angeht ist man sich jedoch regelmässig einig, Amon Amarth bleiben sich treu und nehmen jeden einzelnen Hörer und Zuschauer mit auf seine eigene Reise in nördliche Gefilde, Wikingerschlachten  und einsame Kämpfe. Die Setlist stellte eine bunte Mixtur aus allen bisher veröffentlichten Alben dar auf welcher auch Klassiker wie Guardians of Asgard und Destroyer of the Universe nicht fehlen durften. Obwohl Amon Amarth gerne darauf beharren, nicht als Viking Metal Band betitelt sondern klar dem Death Metal Genre zugeordnet zu werden, spielen sie live mit erstgenanntem Sujet in Form wechselnder, zu den Songs passenden Bühnenbilder mit Runen, Schiffen und behelmten Männern. Den Fans gefällt es – die Begeisterung im Saal schien überzuquellen als  der bärtige Johan Hegg die Menge kurz vor Schluss noch einmal anfeuerte mit «Are you true fucking vikings?» Klar sind wir! Jedenfalls gestern. Für etwa zwei Stunden, bis wir durch den Schnee stapfend wieder nach Hause gehen und den Wikingerhelm bis zum nächsten Mal im Schrank verstauen.