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Im Internet macht gerade wieder mal eine Endzeit-Ankündigung die Runde. Grund genug, mal ein paar dieser Links anzuklicken und sich Gedanken über Apokalypsen zu machen. Wir hatten in den letzten Jahren ja ein paar davon.

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«The Great Day of His Wrath» von John Martin (Foto: Wikimedia)

Die Welt geht unter! Aber zum Glück nicht in der Schweiz. Sagt zumindest Doktor Keshe.

Was sich wie gequirlter Quark anhört, ist ein realer Sturm. Zumindest in Teilen der sozialen Medien. Dort wird die Veröffentlichung eines Berichts des Weissen Hauses zum Thema Erdbeben als Beweis dafür gefeiert, dass die Prophezeiung der Keshe-Foundation, die für 2016 diverse Mega-Erdbeben voraussagt, eben doch der Wahrheit entspricht. Ein Blick auf die Anhänger der ominösen Stiftung zeigt denn auch schnell, wes Geistes Kind die Bewegung ist. An der Konferenz vom 16. Februar 2016 in Dubai wurde unter anderem auch ein «Suchtstift» präsentiert. Fünf Prototypen wurden davon produziert, um damit «Suchterkrankungen wie Diabetes» heilen zu können.

Ja, klar…

Aber zurück zum Weltuntergang.

Der hat nämlich seit 2012 Hochkonjunktur, was irgendwie recht erstaunlich ist. Schliesslich kann die Welt nur einmal untergehen, und wer Harmagedon auf Datum X prophezeit und dann am nächsten Morgen doch ganz normal aufwacht, der dürfte eine gewaltige Zwei am Rücken haben.

Und dennoch zieht sie, diese Untergangsphantasie. Die Keshe-Foundation springt mit ihrer Prognose auf einen fahrenden Zug auf, der seit Jahrtausenden am Rollen ist. Grosse Weltuntergangsbewegungen gab es beispielsweise um 500 n. Chr., als das römische Imperium wankte, oder auch 1910, als Europa vom Post-Absolutistischen in eine industrialisierte, medial unterfütterte Moderne raste – Kriegsängste und Machbarkeitswahn gingen Hand in Hand, ebenso wie eine neu entstandene Freizeitkultur. Die Apokalypse wurde wissenschaftlich begründet, mit dem Auftauchen mehrerer Kometen.

Diese Pseudo-Wissenschaftlichkeit hat sich bewährt, wenn man den Untergang prophezeien will. Heutzutage sind es kritische Äusserungen von Steven Hawkins, die – gern recht frei zitiert – herbei gezogen werden, um der Voraussage den Schein des Seriösen zu vermitteln. Die Keshe-Foundation und ihr Gründer, der oft auf seinen Doktortitel hinweist, nutzt dieses Instrument ebenfalls sehr gern.

Dystopian Fashion (Foto: pinterest)

Dystopian Fashion (Foto: pinterest)

Aber es sind bei weitem nicht nur akademisch dotierte Wahnwichtel, die solche Szenarien pushen. Das Dystopische ist Trend. Die postapokalyptische Existenz, für den gläubigen Christen des Mittelalters eine der schlimmsten Vorstellungen überhaupt, hat mittlerweile einen Coolness-Faktor, mit einer eigenen Ästhetik. Sie inspiriert Filmemacher und Modeschöpfer. Die reale Angst, die einst in den Eschatologien Ausdruck fand, ist verschwunden. Die Mahnungen, besser, umweltbewusster oder frömmer zu leben, haben durch die Allgegenwart dieser Untergangsphantasien an Gewicht verloren. Faszinieren tun sie allerdings immer noch.

Unser Interesse, ja unsere Begeisterung für Weltuntergänge dürfte einen ganz anderen Ursprung haben:

Erstens: Die Lust am Schaurigen. Endzeit-Phantasien bedienen wohl dieselben Hirnregionen wie gute Horrorfilme.

Zweitens: Die Lust am Spektakulären. Die Erde ist unser aller Heim, unsere Lebensgrundlage. Ihr Zerbrechen ist episch – egal ob durch Feuer, Fluten oder Klimaaktastrophe: Hollywood beweist wieder und wieder, dass wir uns unser hypothetisches Ende sehr gern ansehen.

Drittens: Die Welt ist im Wandel. Das ist sie nicht zum ersten Mal. Die Vergangenheit zeigt, dass schnelle technische und soziale Umbrüche in der Bevölkerung das Gefühl auslösen, die Welt gehe unter. In gewisser Weise tut sie das ja auch, nur ist es die aktuelle Kultur, die verschwindet, und nicht der ganze Planet.