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Nach der sonnenverwöhnten Jubiläumsausgabe des Amphi Festivals 2014 im Tanzbrunnen, mussten Veranstalter, Bands und Publikum einige Ausfälle einstecken. Die Emotionen kochten aufgrund diverser Kleinigkeiten hoch.

Euzen verzauberten das Publikum vor der Orbit Stage (Foto: Matthias Hoffmann)

Euzen verzauberten das Publikum vor der Orbit Stage (Foto: Matthias Hoffmann)

Der Standortwechsel vom Charmebehafteten Tanzbrunnen in die Lanxess Arena verkrafteten viele Besucher des Amphi Festivals nicht so gut wie man meinen möchte. Schon im Vorfeld, als angekündigt wurde, dass alles besser und grösser werden würde, wurden skeptische Stimmen laut. Dennoch besuchten rund 16‘000 Menschen das beliebteste Festival im Raum Köln.

Sturm Zeljko – omnipräsent

Nachdem die Sturmwarnung durchgegeben wurde, durften die beiden Openair-Bühnen gar nicht erst bespielt werden. Zu gross war die Gefahr, dass Besucher oder Künstler von umherfliegenden Teilen getroffen werden könnten. Leider hiess das auch, dass diversen Bands abgesagt werden musste. Die Arenastage wurde wo es ging noch mit Künstlern aufgefüllt, allerdings waren die Besucher deren Lieblingsband nicht mehr zum Zuge kamen sehr enttäuscht.

Die Bandmitglieder um X-RX konnten von den Verschiebungen profitieren und bekamen einen Slot in der Arenastage. Leider beschränkte sich der Auftritt auf rund 20 Minuten, bevor schon wieder umgebaut werden mussste. Auch DAF, welche als Headliner für die Greenstage vorgesehen waren durften ihren Auftritt in die Arena verlegen, was nicht nur für Freude sorgte, verfolgte man die Kommentare auf Facebook.

Aussen Hart innen Zart

In der Halle selber bekam man nicht sehr viel von dem Unwetter mit, welches mit starken Böen um die Arena tobte. Erst gegen 21 Uhr konnte Wettertechnisch Entwarnung gegeben werden. Wenigstens die Stände der Händler konnten so noch wenige Stunden geöffnet bleiben, während Agonoize mit ihrer Blut-Show das Publikum in der Arena verzückte. Nach Agonoize war die Halle so leer wie seit dem Morgen nicht mehr. Ein arger Stilwechsel trieb die Leute an die frische Luft. Mit Goethes Erben und Rosenblüten die ins Publikum geworfen wurden öffnete sich der breite Fächer der Gegensätze. Die Halle füllte sich dann auch auf den Rängen zusehends, denn draussen war es nicht nur nass, sondern auch kalt.

Kein Festivalfeeling

Leider wollte so gar kein Festivalfeeling aufkommen. Die Informationen, welche Band nun nicht oder auf der Arena Stage spielt kamen nur langsam an die Besucher. Den ganzen Tag in der Halle zu sitzen war auch keine Option. Draussen mahnten Lautsprecherdurchsagen immer wieder dazu, sich in die Halle zu begeben. „Because of a rising storm.“ Wer die letzten Jahre im Tanzbrunnen dabei war, sehnte sich nach allem, nur nicht nach der kalten dunklen Halle in der man sich befand.

Glücklicher Sonntag – zumindest ein bisschen

Der Sonntag lockte zwar nicht gerade mit seinen warmen Temperaturen, aber immerhin mit einigen Sonnenstrahlen die sich immer wieder ihren Weg durch die dunklen Wolken bahnten. Nun aber auf, das Festivalgelände erkunden. Im grossen und ganzen kann man sagen, dass die Arena den Mittelpunkt bildet, und darum herum zwei kleinere Open-Air Bühnen Platz finden. Eine etwas grössere auf dem Rasen, eine kleinere am Rande des Geschehens. Dazwischen befanden sich viele Food-Stände von verschiedenen Anbietern, sowie die bekannten Händler.

Da ich mir fest vorgenommen hatte dieses Jahr Bands zu besuchen die ich noch nicht kenne, liess ich mich auf das Projekt Pokemon Reaktor ein. Hier war der Name Programm. Schmu van der Kröt, der sich nach eigenen Angaben um die Vocals, Keys, Samps und die Groupies kümmert stand schon beim Soundcheck mit einem Pokemon-Rucksack auf der Bühne. Die Growls führten dann zu einem kurzen Schockmoment meinerseits, aber insgesamt eine wirklich lustige Truppe die sich für nichts zu schade ist – und das hat gerockt.

Eine unglaubliche Live-Qualität bewiesen auch Darkhaus mit Leadsänger Ken Hanlon. Von weich bis hart war hier alles vertreten, was das Publikum mit tosendem Applaus quittierte. Auch Rupert Keplinger gab an der Gitarre alles, das Gesamtpaket stimmte und so langsam aber sicher kam richtig Festivalstimmung auf.

Nordische Klänge für die Seele

Auf der Orbit-Stage standen Euzen in den Startlöchern. Die charmante Band aus Norwegen mit der wunderschönen Sängerin Maria Franz verzauberten die kleine Bühne im Nu mit ihrem progressiven elektronischen Rock. Die norwegischen Einflüsse spannten eine ganz eigene Magie über das Publikum. Glasklar die Stimme, jedes Wort war verständlich. So geht Festival!

Mit Folk Noir ging es dann in die Mittelalterlichen Gefilde. Zumindest was die Instrumente betraf. Offiziell Post-Rock, Country-Folk, liess das Publikum schwelgen. Oliver s.Tyr und Stephan Groth welche wir von der Band Faun kennen, die wundervolle Stimme von Livy Pear, die taktgebenden Schläge von Alex Schulz – stimmungsvoll ging dieser Auftritt mit düsteren Balladen über die Bühne.

Headliner herzlich Willkommen

Mit Oomph! The Mission und Combichrist wurde das Publikum in der Arena derweil versorgt. Die Bässe waren bis draussen spürbar, auch drinnen herrschte gute Laune. Natürlich gipfelte der Abend mit dem Auftritt von VNV Nation.

So sieht das also auf richtig grossen Konzerten aus!Ronan Harris - VNV Nation

Die Lanxess Arena würdigt natürlich insbesondere Bands, welche Stadionatmosphäre suchen und gewohnt sind. Die Zuschauer wollten sich das auch nicht nehmen lassen, was zur Folge hatte, dass der Zugang zum Innenbereich und den Untergängen aufgrund Überfüllung gesperrt werden musste. Ein besseres Kompliment kann man einer Band nicht machen. Der Kommentar von Ronan Harris: „So sieht das also auf richtig grossen Konzerten aus“ – spricht für sich.

Pros und Contras

Man kann sich streiten ob nun der Tanzbrunnen oder das Gelände der Lanxess Arena besser sind. Vielleicht darf man es aber auch gar nicht vergleichen, sondern das neue Areal als etwas Neues betrachten. Aber ich wäre nicht ich, wenn nicht doch ein bisschen Sentiment mitschwingen würde.

 

Top

  • Die Sanitären Anlagen der Lanxess-Arena sind ein definitives Plus. Saubere Toiletten, zu jeder Zeit.
  • Das kulinarische Angebot war um einiges grösser und bot für jeden Geschmack etwas. Sogar für Veganer.
  • Die Halle bietet gerade wie am Samstag gesehen eine Ausweichmöglichkeit bei richtig schlechtem Wetter. Zudem sind Sitzplätze en masse vorhanden, was den ein oder anderen müden Tanzbeinen sicher Freude bereitet hat.
  • Die Verkehrsanbindung wie auch das kostenlose Parken direkt neben der Arena dürften für viele Besucher Pluspunkte dargestellt haben.

 

Flop

  • Die Stimmung die der Tanzbrunnen bot ist auf dem neuen Gelände quasi nicht vorhanden. Die Seele des Amphi-Festivals war ganz weit weg an diesem Wochenende.
  • Die Arena ansich verbreitet einen sehr kühlen Charakter. Vielleicht helfen hier Leinwände an den Seiten, dass man auch von hinten noch etwas sehen kann.
  • Das sehen und gesehen werden fiel total flach, da es irgendwie keinen zentralen Punkt gab, an dem man sich einfach wie gewohnt über den Weg laufen konnte.
  • Die Rheinpromenade hat gefehlt. Ein Ort an dem man sich etwas ausruhen kann ohne mittendrin und permanent beschallt zu sein.
  • Kleinere Bands mit nicht so viel Action auf der Bühne gehen in der grossen Arena gnadenlos unter.

 

Ist grösser immer besser?

Insgesamt muss man der Organisation ein Kränzchen winden. Immerhin hätte das Festival aufgrund des Wetters auch abgesagt werden können. Wäre am Tanzbrunnen mit 99,9% auch der Fall gewesen. So konnte der Samstag wenigstens einigermassen über die Bühne gebracht werden. Besucher die das erste Mal am Amphi waren, fanden es einfach toll.

Mir persönlich hat einiges an Atmosphäre gefehlt. Es war wie ein unheimlich langes Konzert in einer sehr unpersönlichen und nüchternen Umgebung. Wäre nicht das Mädchen mit den Seifenblasen an der Green Stage gewesen, wäre mir mit keiner Sekunde der Gedanke an das Amphi-Festival gekommen. Wenn hier noch etwas an den Details gefeilt wird, könnte es sein, dass die Seele des Amphi nächstes Jahr zurückkehrt – egal in welcher Location.

Fotos von The Mission & VNV-Nation: Gastfotograf Marco Aversano