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Das 12. Studioalbum von Amorphis muss in die grossen Fussstapfen seines grandiosen Vorgängers «Circle» steigen. Solch hohe Erwartungen werden leider allzuoft nicht erfüllt.

Artikel 2015-08-24 Amorphis_Under-The-Red-Cloud Artikelbild

Im Laufe ihrer 26-jährigen Karriere haben Amorphis schon für einige Überraschungen gesorgt. Am meisten wohl mit ihrem Wechsel vom düsteren Death Metal zu progressivem Heavy Metal mit dem 1999 erschienen Album Tuonela. Seither verfeinern sie ihren Sound mit jedem Album und experimentieren gerne mal mit neuen Elementen. Under The Red Cloud ist die logische Fortsetzung dieser Arbeit.

Der Einstieg ins Album erfolgt mit sanften Pianoklängen, unterstützt von pointierten Gitarreneinsätzen, bis der Song ab der Ein-Minutenmarke dank dem Einsetzen von Jan Rechberger am Schlagzeug seine Kraft entfaltet. Under The Red Cloud spielt gekonnt Tomi Joutsen’s Growls und Klargesang gegeneinander aus. Der Opener erfüllt seinen Job perfekt, die Stimmung für den Rest des Albums ist gegeben.
The Four Wise Ones geht in eine düsterere Richtung, mit dominanteren Growls und einem rasanten Intro, wird jedoch von Santeri Kallio’s Keyboard in der Bridge elegant aufgelockert. Mit orientalischen Einflüssen kommt Death Of A King daher, ohne jedoch auch nur eine Sekunde nicht nach Amorphis zu klingen. Besonders der Einsatz der Flöte, die auch bei Tree Of Ages zum Zuge kommt und von niemand geringerem als Chrigel Glanzmann (Eluveitie) gespielt wird, verleiht dem Track zusätzlich Tiefe und macht Tree of Ages zum folkigsten Amorphis-Song.

Die stärksten Tracks des Albums sind Dark Path und White Night. Ersterer wegen des nuancierten Ausspielens von Santeris Keyboard und dem filigranen Saitenspiel von Esa Holopainen und Tomi Koivusaari gegen die wuchtigen Drums von Jan und Tomi’s satten Growls. Zweiteren wegen der perfekte gewählten Gastsängerin Aleah Stanbridge (Trees of Eternity), deren Stimme wunderbar mit der von Tomi harmoniert.

Amorphis erfinden sich auf Under The Red Cloud nicht neu. Es ist vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung ihres Sounds von The Beginning Of Times über Circle zu diesem neuen Meisterwerk. Die Art, wie die Klangfarben der einzelnen Instrumente gewählt wurden, die Sorgfalt, die ins Songwriting eingeflossen ist, die minutiöse Arbeit beim Arrangement, die Ausgewogenheit des Kunsthandwerks der einzelnen Musiker, all dies zusammen kulminiert in einem Album, auf welchem es keinen einzigen «Hänger» gibt. Jeder der zehn Songs ist für sich genommen schon grosses Kino, zusammen aber sind sie ein Geschenk für jeden Metal-Fan, der auf anspruchsvolle Musik steht.

Zum ersten Mal seit dem Zweitling von Expellow im Mai dieses Jahres kann ich hier nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen: Under The Red Cloud ist eine der besten Scheiben des Jahres. Alleine das Gitarrenspiel von Esa und Tomi treibt einem stellenweise die Tränen in die Augen, so virtuos greifen die beiden in die Saiten. Dazu kommt Tomi’s sich immer noch verbessernder Gesang – sowohl Klargesang als auch Growls – der einem einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Und dann der subtile Bass, der das Spiel an den Trommel meisterhaft unterstützt und die großartigen Gastmusiker. Amorphis haben sich die Messlatte für das nächste Album nochmals massiv höher gelegt.

Release
4. September 2015

Label
Nuclear Blast Records

Tracklist

  1. Under The Red Cloud
  2. The Four Wise Ones
  3. Bad Blood
  4. The Skull
  5. Death Of A King
  6. Sacrifice
  7. Dark Path
  8. Enemy At The Gates
  9. Tree Of Ages
  10. White Night