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In Aarberg durften sich die Anwohner der Altstadt am vergangenen Weekend über ein wortwörtlich buntes Treiben freuen. Die Orangen Migroshütchen waren überall und die Gothic-Szene trotz Unheilig nirgendwo. Mit dem Partyknaller Seeed konnte aber sowieso nichts schief gehen.

Der Auftakt zum diesjährigen Stars of Sound machte Take This feat. Swiss Allstars. Jeder der sechs Schweizer Musiker spielte mit der Band drei bis vier Songs und machte dann Platz für den nächsten Künstler. Ein Konzept, das viel Abwechslung bot, und die Möglichkeit gab einfach mal bei Hinz und Kunz reinzuhören.

Es war aber zugleich schwierig, sich auf einen Künstler einzustellen. Die Stimmung im Publikum war nicht gerade bombastisch; was mitunter aber auch daran gelegen hat, dass man locker mal eine Viertelstunde auf ein Bier wartete, wenn man am falschen Ort angestanden hat.

Das Festival in der Altstadt von Aarberg ist zwar von der Kulisse her traumhaft schön, aber das Ganze findet auf sehr engem Raum statt und von den Food- und Getränkeständen bis zu den sanitären Anlagen hatte es tendenziell – wie immer – zu wenig. Die Besucher waren zudem am Freitag angespannt und warfen einem böse Blicke zu, wenn man sich zu sehr bewegte oder sich durch die Masse irgendwo hinbegeben wollte.

Bittere Enttäuschung bei Unheilig

Als der Startschuss für Unheilig fiel, hatten die meisten Zuschauer wohl aber schon ein Bierchen erobert und die Stimmung begann allmählich zu brodeln. Unheilig legte einen gewohnt souveränen Auftritt hin. Als der Graf zu singen begann und ich seit langem seine Stimme wieder Mal live hörte, gab es für mich eine schöne Portion Hühnerhaut. Seine Stimme war so vertraut, aber die meisten Melodien und Songs fremd.

Seit dem Album Grosse Freiheit hatte ich ihn nicht mehr live gesehen und die neuen Songs auch nicht mehr grossartig mitverfolgt. Sie sind zwar schön, aber es fehlten einfach ein paar härtere Songs. Und wenn der Graf sich schon für die letzten 16 Jahre bedankt, dann soll er doch auch kurz die Fans berücksichtigen, die ihn vor zehn Jahren unterstützten, bevor er den grossen Erfolg feiern konnte.

Ich bezweifle zwar, dass mehr als eine Hand voll Fans aus der Gothic-Szene anwesend waren. Die bunten Fans mit den orangen Migroshütchen – oh grosse Schande! – hatten die Oberhand und dies passt immer noch ganz und gar nicht in mein Unheilig-Konzept. Für mich war es die allergrösste und eine wirklich schlimme Enttäuschung, dass er Mein Stern nicht spielte. Das war früher immer der Abschluss-Song und ich bin vor allem nochmals zur «Allerletztes Mal-Tour» gepilgert, um diesen einen Song noch einmal live zu hören. Ich bin immer noch etwas fassungslos.

Vom Showkonzept her hat sich beim guten alten Graf nicht verändert: Das altbekannte Dankeschön – Bitteschön Spiel, theatralische ich-bin-überwältigt-Gestiken, sexy Hüftschwünge für das Kreischen der Frauen und zwischendurch wurde auf den Screens Bilder von ihm am Strand, vor einer Holzhütte oder mit einem Koffer am Reisen gezeigt. Auf der Bühne die obligaten Kerzen.

Die letzten sechs Jahre habe ich also nichts Grossartiges verpasst. Der Graf hat sich am Schluss nochmals bedankt und ein letztes Album angekündigt, das noch rauskommen wird. Er gehe mit einem weinenden Auge als Musiker, aber auch mit einem Lachenden zu seiner Familie. Er wünsche sich wieder ein normales Leben, ohne überall erkannt zu werden. Er meinte auch, dass viele denken, die kommen wieder oder gehen 13 Jahre auf Abschiedstournee. Sie aber würden wirklich abschliessen. Das Lied Der Vorhang fällt war damit wohl das wortwörtlich Letzte, was man in der Schweiz live von ihm sehen durfte.

No Camping

Wer beide Tage das Stars of Sound besuchte, der hatte direkt am Festival leider keine Camping-Möglichkeiten. Ganz in der Nähe am Bielersee gibt es aber eine Perle, wo man wunderbar auf einem Bio Bauernhof kampieren kann. Nur allzu laut sollte man da dann um 2 Uhr morgens doch nicht sein (Hust).

Es bot sich aber wunderbar an, auch am Samstag nochmals nach Aarberg zu fahren. Seeed mit dem einzigen Auftritt von diesem Jahr in der Schweiz standen auf dem Programm. Vor den Stimmungsgaranten waren aber noch Lo & Leduc an der Reihe. Von ihnen kennt man Songs wie All die Büecher oder Jung verdammt, welche im Radio recht cool klingen, aber live sprang der Funken nicht über.

Heisser Tanzabend mit Seeed

Dafür ging dann bei Seeed die Post ab. Die heissen Beats liessen jeden Arsch wackeln und das im Vergleich zum Freitag anwesende viel jüngere Publikum ging ab wie es Zäpfli. Und auch auf der Bühne war das Treiben wild: Es gab heisse Choreos von Fox, Boundzound sowie Dellé zu sehen und vor allem auch die Truppe an den Drums bot eine fantastische Show.

Für Viva con Agua schickten Seeed ein Schlauchboot über die Köpfe der Fans auf Reise mit einem Matrossen, der alle entgegenfliegenden Becher versuchte so gut es ging einzufangen. Doof, dass ein Volldepp noch ins Boot klettern konnte, der das Ganze zu Fall brachte.

Die Setliste hatte alle wichtigen Songs dabei und bei der Hitze war das Wechselbad der Gefühle von chilligen bis zu treibenden Songs eine willkommene Abwechslung. Perfekter hätte der Tanzabend schon fast nicht sein können und so verwandelte sich die Aarberger Altstadt zu einer heissen Partymeile, auf der auch nach dem Konzert noch frischfröhlich getanzt wurde.