Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Trotz des Regens und der manchmal trostlosen Schweiz gibt es Hoffnung, zumindest für die Ohren. Die Band Alvvays veröffentlichte ein wunderbares Album.

Was für ein herrlicher Sommer: Immer gutes Wetter, nie, aber wirklich nie Regen oder graue Wolken, welche den Sommer zu herb machen könnten. Ok, das ist jetzt mal komplett gelogen. Der Sommer war scheisse. Doch die Band Alvvays (sic!) bringt die Wetterlage der Schweiz gut auf den Punkt: «Fighting trough the fall / I can’t believe it rained all summer long». Auch proplanta.ch – Das Informationszentrum für die Landwirtschaft – titelte «…, im Norden aber eine herbe Enttäuschung». Doch lassen wir das Wetter sein und kehren zurück zum Album, welches in keiner Weise eine herbe Enttäuschung ist!

alvvays_alvvays

Die kanadische Band Alvvays hat am 22. Juli ihre erste CD/LP veröffentlicht. Diese heisst, wie die Band, Alvvays. Und die Scheibe ist wirklich gut. Die Musik beschrieb die Band in einem Interview als «winterliche Texte, sommerliches Bimmeln». Auf den ersten Blick ist das Album wie zig andere, es bimmelt eben so daher: Etwas endloser Sommer, etwas Flohmarkt und ein wenig Super 8 und fertig ist der Mix. So klingt die Musik und die Videos der Band (Adult DiversionArchie, Marry Mefördern diese Assoziationen gehörig. Ziemlich hip, ziemlich belanglos.

Sommerlich entspannt

Doch wehe dem, der vorschnell urteilt. Die Band aus Toronto setzt sich aus fünf Individuen zusammen. Die bezaubernde Molly Rankin singt, Kerri MacLellan steht hinter dem Keyboard, Alec O’Hanley zupft und streicht die Gitarre, Brian Murphy spielt Bass und Phil MacIsaac schlägt mal sanft, mal hart auf die Becken ein. Rankin, MacLellan und O’Hanley begannen bereits in der Highschool damit, gemeinsam Musik zu machen. 2010 veröffentlichte Molly Rankin eine Solo-EP, die man sich nicht anhören muss. Danach formierte sich die Band und vier Jahre später gibt es eine LP. Die Schreibweise des Namens wählte man, um allfällige Verwechselungen mit einer anderen Band zu umgehen, die sich Alvvays mit w schreibt.

Was ist der Reiz dieses Albums? Nun ja, es ist sommerlich entspannt. Es ist Musik, die sich nie aufdrängt, aber trotzdem zum aktiven Hören anregt ist. Und aus lyrischer Sicht überzeugt sie auf ganzer Linie. Die Liebe ist allgegenwärtig, zum Beispiel im Lied Next of KinIf i had known you couldn’t swim/I would have never gone in»). Doch nicht nur über verlorene Liebe wird gesungen, auch über unerfüllte. Die thematische Varietät ist nicht riesig, doch die Band macht dies durch die musikalische Abwechslung wieder wett. Das Album beginnt mit Pfiff, um danach sentimental zu werden. Um Lied sechs (von insgesamt neun) erreicht das Album auch den Tiefpunkt (der nicht sonderlich tief ist, das Lied fällt aber im Vergleich ab). Doch die Band sammelt sich wieder, um nochmals alles zu geben und mit dem letzten Lied Red Planet der Hörerin oder dem Hörer nochmals ein richtig trauriges Lied mitzugeben. Bei der Komposition des Albums zeigt sich, dass die Musik nicht belanglos ist und durchaus Liederschreibfähigkeiten vorhanden sind (sehr sogar!). Adult Diversion, Archie, Marry Me und Ones Who Love You sind herrlich eingängig. Nach den drei ersten Liedern wird es schon ein wenig anspruchsvoller und man muss sich ein wenig einhören. Manchmal ähnelt die Musik von Alvvays der von The Cure, manchmal der Musik von Beach House. Also ein Kombipacket zwischen Post-Punk, New Wave und eben dem Traum-Pop. Die Musik ist auf jeden Fall sehr schön. Sie regt zum Träumen, Schweben und Sehnen an, ohne unter den unzähligen anderen Indie-Pop Bands zu versinken. Alvvays machen auf dem Debüt eine gute Figur. Man darf auf Folgealben gespannt sein!

Und wer sich nun noch gar nichts unter der Musik vorstellen kann, dem werden nun einige Genrebegriffe mitgegeben: Die Musik ist Dream Pop, kombiniert mit Lo-fi, ein wenig Garage Rock sowie die Sentimentalität der Mittzwanziger, die Retro was Tolles finden.

Release
22.07.2014

Label
Popfrenzy HQ

Tracklist
01 – Adult Diversion
02 – Marry Me
03 – Ones Who Love You
04 – Next Of Kin
05 – Party Police
06 – The Agency Group
07 – Dives
08 – Atop A Cake
09 – Red Planet