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Das erste Bier ist schon gekillt. Einige Hardcore-Fans warten bereits vor dem Club. Die Security drängt sie zurück. Casper ist bereit zu feiern.

Casper_Exil_2013-11-08

Wir liegen lachend in den Trümmern – Casper (Foto: Janosch Tröhler)

jt. Es ist eine bunte Truppe vor dem Exil: Teenie-Mädchen, Hipster und Typen, die sonst Alternative Rock hören. Nirvana und son‘ Zeugs. Casper, der einst die deutsche Hip-Hop-Szene mit sogenannter Gefühlduselei vor den Kopf stiess, begeistert sie alle. Wie viele Menschen wohl im Exil Platz haben? Vor mir steht ein Hexengesicht: «Ich war im Fall im Friday.» So what?!

Alle zwängen sich vor die Bühne, während ich zur Erkenntnis komme, dass die Toilette stinkt wie ein Raubtiergehege. Ab an die Bar ein Bier holen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit steigen schnell an. Eine rauchen? Nein, der Platz an der Bar ist so schön gemütlich. Ich frage mich, ob es sich gelohnt hat, stundenlang zu warten, nur um ganz vorne zu stehen.
Die traditionellen Hopper mit Baggies hat Casper längst hinter sich gelassen. Es dominieren fancy Sneakers und Skinny Jeans. Noch bin ich unschlüssig: Muss ich mich betrinken, um den Abend zu überstehen? Kassensturz. Es reicht noch für zwei Biere. Verdammt! Wenn ich Titten hätte, würde ich mir n’paar Gin & Tonics spendieren lassen. Ok, das war jetzt nicht ganz politisch korrekt.

Support-Act. Keine Ahnung, wer dieser Typ da auf der Bühne ist. Ist auch ziemlich lame, um beim Slang zu bleiben. Eigentlich würde ich ja rauslaufen, aber dann müsste ich meinen Platz aufgeben. Der Rapper ist doch recht sympathisch, aber musikalisch lässt er mich kalt wie die Eiswürfel in meinem Gin & Tonic, den ich mir anstatt der zwei Biere geleistet habe. Ob es am Alk liegt oder der Typ auf der Bühne den guten Scheiss ausgepackt hat, aber jetzt geht’s richtig ab. Der Bass wummert und vibriert durch alle Glieder.
Fuck! Irgendjemand stinkt nach einer Mischung aus Schweiss und Durchfall einer Kuh – fragt mich nicht, woher ich weiss, wie das riecht. Dabei kippt mir eine Tussi noch ihren Drink über die Schulter. Versuch‘ nächstes Mal meine Kehle zu treffen, danke.

Gülscha Adilji taucht mit Julian im Schlepptau auf. Jetzt ist es sicher ein fucking place to be. Falls irgendjemand fragt: Ich tanz’ im Ascheregen meiner Marlboro.
Der Saal wird abgedunkelt. Das Exil wird zu einer Saune. Tropische Hitze, die Wände sind feucht vom kondensierten Wasser und Schweiss. Casper tritt gleich voll aufs Gas, Zürich versucht, mitzuziehen. Ein Red Bull ergiesst sich über meinem Kopf. Egal, es wird weitergetanzt. Die Bude rastet aus. Vor mir steht ein «Hipster» mit Prada-Beanie. Hey Arschloch, joke’s on you!
XOXO. Wo bist du nur, Thees Uhlmann? Casper springt und feiert mit, schmeisst Wasseflaschen durchs Publikum. So perfekt! Und draussen stürmt es, eisiger Novemberregen. Alle knien nieder für Michael X. Pure Gänsehaut. Der Berliner gibt nochmals alles – Jambalaya!

(c) Tamara Pompeo

Leserfoto: Tamara Pompeo