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Die unter der Jolly Roger-Flagge segelnde Fregatte aus Schottland feuert erneut aus allen Rohren und liefert mit «Sunset On The Golden Age» das vierte Studioalbum von Alestorm ab. Sind die Jungs nur einfach eine unterhaltsame Blödeltruppe oder können sie auch Musik machen?

Alestorm – Sunset On The Golden Age (zVg)

Alestorm – Sunset On The Golden Age (zVg)

Mit Walk the Plank starten die Schotten gleich mit einer kleinen Fanfare in ihr viertes Album. Diese weicht jedoch schnell griffigen Gitarrenriffs und treibenden Drums. Der Song zieht einem von Anfang an rein und den eingängigen Refrain singt man schon beim zweiten Auftreten mit. Genau diese Refrains helfen an den Konzerten dabei, sofort eine grandiose Stimmung zu verbreiten. Jeder kann mitsingen – und jeder tut es, selbst wenn man es nicht will. Der Begriff «catchy chorus» wurde für Alestorm erfunden!

Nachdem das erste Bier jetzt schon mal leer ist, passt der nächste Track perfekt: Drink ist das Trinklied schlechthin und wird sicherlich in der einen oder anderen Rock/Metal-Kneipe zur Lokalhymne werden. Hier der Refrain zum Mitsingen:

«We are here to drink your beer
And steal your rum at a point of a gun
Your alcohol to us will fall
Cause we are here to drink your beer»

Man kann das Anstossen mit überschwappenden Bierkrügen regelrecht vor seinem inneren Auge sehen. Der bis dato wohl stärkste Song der Schotten, vereinbart er doch spritziges Songwriting mit astreinen Riffs und interessanten Effekten sowie einer grossen Portion Selbstironie – ein hochprozentiger Schluck  Alestorm-Rum.

Die Albernheit von Drink wird nur noch von Wooden Leg! übertroffen. Wenn Monty Python Metal spielen würden, würde das in etwa so klingen. Die irrwitzige Kampfszene mit dem Schwarzen Ritter aus Monty Python and the Holy Grail zwängt sich einem unausweichlich auf.

Einer der Höhepunkte des Albums ist das Taio Cruz Cover Hangover. Ein Dancefloorhit mit neuen Lyrics und in einer Pirate Metal-Version ist nichts, was einem alle Tage über den Weg läuft. Christopher Bowes, der Sänger von Alestorm, überzeugt auch mit dem wohl ersten Piraten-Rap. Ein Paradebeispiel dafür, dass eine Band die Musik sehr ernst, sich selber aber gar nicht ernst nehmen kann.

Neben den ganzen Klamauk-Songs, für die Alestorm bekannt ist, haben sie auch ein paar Überraschungen auf das Album gepackt. So kommt 1741 (The Battle of Cartagena) mit einem 80er Jahre 8bit Gameboy-Intro daher, bevor der Song zeigt, welche musikalischen Qualitäten in der Band stecken. Das Stück ist etwas vom Abwechslungsreichsten, dass Alestorm je geschrieben haben und überzeugt während jeder Sekunde des über sieben minütigen Songs.

Der Titeltrack zum Ende des Albums weist, über elf Minuten lang, für eine Party-Band wie Alestorm schon fast epische Dimensionen auf und rundet die Scheibe perfekt ab. Mit Sunset On The Golden Age segeln Alestorm definitiv einem goldenen Zeitalter entgegen.

Meiner Meinung nach das stärkste Album der Truppe, in jeder Hinsicht. Die Scheibe ist auf einem ganz anderen Level produziert wie die letzten drei, das Songwriting und die musikalische Umsetzung sind durchdachter und sorgfältiger umgesetzt als bisher. Mit diesem Album haben Alestorm endgültig den Sprung von der Spass-Band in die Liga der ernstzunehmenden Musiker geschafft. Die Deluxe Edition mit einer zweiten CD mit sechs Akustikversionen bekannter Songs ist jedem Fan und Sammler wärmstens ans Herz gelegt.

 

Release:
4. 8. 2014

Label:
Napalm Records

Tracklist:
01 – Walk the Plank
02 – Drink
03 – Magnetic North
04 – 1741 (The Battle of Cartagena)
05 – Mead from Hell
06 – Surf Squid Warfare
07 – Quest for Ships
08 – Wooden Leg!
09 – Hangover
10 – Sunset On The Golden Age