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Affentheater um Affen-Selfie – Fotograf David J. Slater geht gegen Punkband vor

Der Streit um das Affen-Selfie schien beigelegt. Nun gerät die deutsche Punkband Terrorgruppe unter Beschuss des Fotografen David J. Slater. Die Hintergründe.

Die Geschichte beginnt in Indonesien: Mit einer Kamera des britischen Naturfotografen David J. Slater schiesst der Schopfaffe namens Naruto ein Selfie. Das war 2011. Natürlich ging der aussergewöhnliche Schnappschuss viral. Gegenüber dem «Spiegel» beklagte sich Slater: «Ich verbringe endlose Stunden damit, die Kontrolle über mein Eigentum zurückzugewinnen.»

Später klagte die Tierschutz-Organisation PETA gegen den Fotografen: Das Urheberrecht für das Bild gehöre dem Affen. Es folgte ein jahrelanger, kostenintensiver Gerichtsstreit. Letztes Jahr einigten sich PETA und Slater aussergerichtlich. 25 Prozent der Einnahmen gehen an eine Organisation zum Schutz der Affen auf Indonesien.

Sogar die Copyright-Behörde weigerte sich

Zwischenzeitlich tauchte das «Affen-Selfie» auch in der Wikimedia-Commons-Datenbank auf, wo Bilder zu bestimmten Zwecken frei verwendet werden dürfen. Natürlich beklagte sich Slater auch bei der Wikimedia-Stiftung, welche seine Anfrage aber abschlug. Auch die US-Copyright-Behörde weigerte sich 2014, das Recht dem Fotografen zuzuschreiben. Die Begründung: Das Werk sei nicht von einem Menschen kreiert worden.

affen-selfie

 

Drohungen gegen Punkband

Bei Wikimedia lizenzierte die deutsche Punkband Terrorgruppe 2015 auch das berühmte Selfie des Affen für das Cover von Tiergarten. Das Album erschien dann 2016. Nun, zwei Jahre später, beansprucht der Fotograf David J. Slater offenbar wieder die Rechte am Bild, wie die Band in einer Medienmitteilung schreibt:

Der Natur-Fotograf David J. Slater, bekannt durch zahlreiche verlorene Urheberrechtsstreitigkeiten gegen Wikicommons u.a. wegen des bekannte Affen-Selfies «Naruto», versucht in diesem Moment über eine von ihm gegründete «Limited»-Firma gegen die Punkband Terrorgruppe und ihre Partner mit Abmahnungen vorzugehen.

Die Band spendete nach der Linzenznahme über die Organisation «Chances for Nature e.V.» an das «Tangkoko Conservation Education Programm», welches sich nachhaltig für den Schutz und die Erhaltung der bedrohten Makaken in dem sulawesischen Naturreservat einsetzt

 

Die Band schreibt weiter, dass sie nun mit einem im Offshore-Paradis Guernsey eingetragenen Urheberrecht von David J. Slater bedroht werden. Die von Slater gegründete Firma «Limited» greife mit einem «rätselhaften Dokument» nun, kleinere Lizenznehmer anzugehen. Zu den Einschüchterungsversuchen gehören laut Band diverse E-Mails und Abmahnungen.

Terrorgruppe besorgt über die Auswirkungen

Sollte diese Taktik erfolgreich sein, wären die Auswirkungen für die Band wohl schwerwiegend. Das Bild findet sich nämlich nicht nur auf dem Albumcover, sondern natürlich auch in den Plattenkritiken, Shopangeboten, auf Plakaten und anderem Merchandise. 

In der Medienmitteilung schreiben Terrorgruppe weiter: «Die Band betrachtet diesen Angriff daher nicht nur als einen Angriff auf die Platte Tiergarten und auf alles was die Terrorgruppe zwischen Herbst 2014 und Januar 2017 an kreativem Output erschaffen hat, sondern auch als einen Angriff auf viele Strukturen der Independent- und Alternative-Musikszene in Mittel-Europa.»

Die Band verspricht weiter, sich gegen die behaupteten Urheberrechte zu verteidigen.