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Die schwedische Musikerin Adna spielte am Samstag im St. Galler OYA. Der Rahmen war alles andere als optimal.

Ein Samstagabend in St. Gallen. Die Bars sind voll, die Menschen stehen draussen, rauchend und trinkend. Motoren heulen auf, die Wagen brausen um die Kurven.

Gegenüber des legendären Ladens «Klang & Kleid» liegt das OYA. Halb Bar, halb Café – dafür voll im nordischen Stil. Es ist, als wäre ein feuchter Hipster-Traum wahr geworden. Drinnen summt und brummt das Nachtleben. Hinter einer unscheinbaren Tür im Untergeschoss des OYA verbirgt sich ein Kellerraum. Keine versiffte Höhle, sondern ein schmucker Ort für kleine Konzerte, getaucht in ein kühles, blauviolettes Licht. Eben ganz passend zum nordischen Konzept.

 

Hier, auf der kleinen Bühne, beendet die Musikerin Adna ihre kleine Tour durch die Schweiz. Der Eintritt ist frei, was normalerweise negative Auswirkungen hat: Die Leute plappern unablässig. Doch als Adna ihr Konzert mit Run, Lucifer beginnt, verstummt das Publikum. Spätestens bei Beautiful Hell hätte sich nicht einmal ein Polarfuchs unbemerkt reinschleichen können. Chapeau, St. Gallen.

Es schien alles zu passen für einen grossartigen Abend. Trotzdem kommt ein Aber: Obwohl sich das Publikum respektvoll verhalten hat, kann man das nicht vom OYA behaupten. Denn dieser gemütliche Konzertraum mag vielleicht für eine angesagte Indie-Rock-Band aus Dänemark ausreichen, doch im ruhigen Klangkosmos von Adna versagte er komplett: Die Toilette im Nebenraum ist mit einem Handtrockner ausgestattet… Und ja, er dröhnte unermüdlich in die sanften Melodien rein wie ein Motorrad während einer Andacht.

Es ist schwer zu sagen, ob sich die scheue Adna ebenfalls aufregte. Bewusst oder unbewusst vertrieb sie, sobald sich ihre beeindruckende Stimme erhob, alle Störgeräusche. Und wann immer jedes Atom im Raum sich auf sie auszurichten schien, blühte Adna heimlich und dezent auf. In weite, schwarze Kleidung gehüllt, ist das vom dunklen Haar umflossene Porzellangesicht der einzige Kompass, an dem sich die Zuhörer orientieren können.

Die Dualität ihrer Stimme verliert auch nach mehreren Konzerten nicht ihre Faszination: Diese Autorität und Wucht, wenn sie singt. Das schüchterne, fragile Hauchen, wenn sie spricht.

Adna vermochte erneut zu überzeugen. Ihre Konzerte sind intim, kraftvoll und eindringlich. Schade war, dass sie sozusagen «akustisch» also ohne ihren Drum-Computer auftrat. Nach der Show verriet sie uns, dass sie die nächste Tour mit einer Band absolvieren wird und sie deshalb nochmals nur mit der Gitarre spielen wollte.

Der grösste Minuspunkt – abgesehen vom dreinfunkenden Föhn – war das viel zu kurze Set. Knapp 30 Minuten dauerte ihr Auftritt, eine Zugabe war nicht geplant. Aber als das Publikum nach dem abschliessenden Nights ausgiebig jubelte und applaudierte, kam sie doch noch einmal zurück. Sichtlich überrascht, wusste sie gar nicht, was sie spielen sollte, entschied sich dann aber für Working Titles von Damien Jurado. «Das ist einer meiner Lieblingssongs», flüsterte sie und begann die Saiten zu zupfen.

Nun gut, der Abend ging danach mit Missue noch weiter. Zudem ist bei freiem Eintritt sicher keine volle Show angebracht. Vermutlich war der ganze Rahmen nicht optimal für ein Adna-Konzert: spät am Samstagabend, dem Zeitpunkt, wo die Menschen feiern und nicht schwelgen wollen. Ihre Musik ist eher für einen Sonntag mit Rotwein gemacht.

Aller Mäkelei zum Trotz: Ich würde nochmals nach St. Gallen fahren, denn auch ein Adna-Konzert mit Mängeln ist ein Abend voller purer Emotionen. Und im OYA höre ich mir lieber den lauten dänischen Indie-Rock an.