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Sie waren alt, prägend und mühsam: Die Säulen im Salzhaus. Oft versperrten die Sicht auf die Bühne, nahmen wertvollen Platz weg. Das ist nun vorbei, denn die Holzbalken sind weg. 

 

Dicke Balken werden mit Gewindestangen die Decke des Saals halten. Bild: Janosch Tröhler

Es ist stickig im Dachgeschoss. Die Sommerhitze drückt durch die Ziegel des Salzhauses in Winterthur. Unbeeindruckt arbeiten ein paar kräftige, bärtige Schreiner am Gebälk. Es riecht nach frischem Holz. Drei mächtige Balkenkonstruktionen leuchten frisch zwischen den alten, dunklen Brettern hervor.

Schon seit Anbeginn vor gut 20 Jahren waren die dicken Säulen im Saal des Winterthurer Kulturlokals ein Thema: Irgendwann kämen die dann raus. Immer wieder schmiedete das Salzhaus-Team Pläne um die Stützen entfernen. Ein erster Versuch scheiterte am damaligen Denkmalpfleger, erzählt Michael Breitschmid, Co-Geschäftsleiter und Booker.

Dass das Salzhaus unter Denkmalschutz stehe, bringe Vor- und Nachteile, sagt Breitschmid. Einerseits bedeute es für das Team einen Aufwand in der Pflege der Bausubstanz. Andererseits sei es ein schönes Gebäude und vor Abriss geschützt.

Störfaktor weg: Die Säule, die durch die Bühne stach, ist nun «Brennholz». Bild: Janosch Tröhler

Vor rund zwei Jahren wagte das Salzhaus ein neuer Anlauf, die Holzsäulen zu entfernen. Mittlerweile war ein neuer Denkmalpfleger im Amt. Nach mehreren Gesprächen gab dieser grünes Licht. Nun kommen sie also weg, diese mühsamen Säulen, die nicht nur das Publikum durchstachen, sondern auch die Bühne. Die architektonische Auflage: Es muss ersichtlich bleiben, dass dort mal ein tragendes Element war. Deshalb werden eiserne Gegenstücke an der Decke montiert, wo früher die Säulen waren. Zwei Säulen bleiben stehen, zwischen denen jeweils das Mischpult platziert wird.

Damit dem Salzhaus nicht der Himmel auf den Kopf fällt, wurden im Dachstock die neuen Balken eingebaut. An ihnen werden Gewindestangen befestigt, die durch den Boden stechen und die Decke des Saals nach oben ziehen. Die Balken leiten das Gewicht weiter an die markanten Backsteinmauern.

So störend diese Säulen auch sein mochten: Sie machten auf eine gewisse Weise den Charakter der Location aus. Welche Auswirkung auf den Charme die «Leere» haben wird, lässt sich nicht voraussagen. Breitschmid gibt zu: «Es ist schon ein Einschnitt und ich habe auch gezweifelt.» Marion Maurer, verantwortlich für die Kommunikation, meint: «Die Säulen gehören ja irgendwie zum Bild des Salzhaus. Es ist ein wunderschönes Gebäude, auch gerade wegen den Säulen.»

Doch die Vorteile überwiegen. Wer von den Salzhaus-Besuchern könnte ernsthaft behaupten, sich nicht über die Säulen aufgeregt zu haben. Wenn sie wieder einmal den Blick auf die Bühne versperrten. Doch nicht nur für das Publikum verbessert sich die Situation. Dass zwei Säulen gar die Bühne penetrierten, verunmöglichte gewisse Konzerte. Mit den Säulen würden etwa Swans nicht auftreten können.

An diesen Anblick muss man sich selbst mit den ganzen provisorischen Stützen gewöhnen. Keine Säulen mehr. Bild: Janosch Tröhler

Das Salzhaus fasst bei Partys maximal 900 Besucherinnen und Besucher. Auf diese Obergrenze haben die fehlenden Säulen zwar keinen Einfluss. Allerdings hat das Salzhaus bei Konzerten nie das Kontingent ausgereizt – damit alle trotz Säulen etwas sehen können. Klar ist jedoch, dass gerade bei Anlässen mit Bestuhlung – also Lesungen oder Kinoabende – ohne die Säulen deutlich mehr Platz vorhanden ist. Eventuell bringt die Veränderung sogar einen finanziellen Vorteil, auch wenn dies nicht entscheidend für die Entfernung war, wie Breitschmid betont. Dennoch: rund 150’000 Franken hat die bauliche Massnahme gekostet. Das Salzhaus trägt diese Kosten komplett alleine aus ihren Ersparnissen.