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Das Live at Sunset bot die 80er-Ikonen, die Pet Shop Boys, auf und neben tausenden Gästen folgte auch Negative White ihrem Ruf. Ob die Briten den Erwartungen gerecht wurden und Kindheitserinnerungen wiedererwecken konnten? Negative White berichtet über einen durchzogenen Abend.

Pet Shop Boys am Live at Sunset (Foto: Michelle Brügger)

Pet Shop Boys am Live at Sunset (Foto: Michelle Brügger)

Was für eine Einladung: Die Pet Shop Boys, die Helden der 80er-Jahre, riefen zu einem Konzert und ich durfte dabei sein. Dies weckte Erinnerungen an die Reisen nach Italien ans Meer, bei denen ich mich mit den Pet Shop Boys und Konsorten vor der unsäglichen Musik meiner Eltern (klingt bekannt? Willkommen im Club) mittels Walkman zu schützen versuchte – mit mehr oder weniger grossem Erfolg.

Pablo Nouvelle

Umso interessierter war ich, wie sich das Duo heute anhören würde. Aber zuerst war das Schweizer Talent Pablo Nouvelle an der Reihe. Der Berner konnte mit seinen Mitmusikern mit unaufdringlichem Indie Pop-Rock überzeugen und sorgte vor allem mit dem vielfältigen Gesang, der oftmals ab Konserve kam, für Überraschung. Nachdem mindestens vier Gesangsstimmen zu hören waren, aber jeweils nur zwei der drei Musiker auf der Bühne zum Mikrofon griffen, stellte sich natürlich die Frage, woher die beiden andern Stimmen stammten.

Viel mehr gibt es leider nicht über die Jungs zu berichten. Sie spielen zwar sauberen Indie-Pop-Rock, können sich aber noch nicht durch irgendeine Besonderheit herausheben. Für diesen Abend waren sie wahrscheinlich nicht der geeignete Supportact, als Unterstützung für eine Band wie The Temper Trap wären sie hingegen perfekt. Denn Easy Lounge Music, das ist genau ihr Ding. Ich würde mich freuen, sie in passendem Umfeld wieder zu hören, denn ein kurzer Abstecher auf ihre Homepage zeigt, dass weit mehr in Pablo Nouvelle steckt, als er an jenem Abend zeigen durfte.

One More Chance for the Pet Shop Boys

Der eigentliche Star des Abends sollten die Pet Shop Boys sein. Aber mit einer guten Viertelstunde Verspätung – die angesichts des gerade mal 20-minütigen Sets des Supportacts und der nachträglichen, wirklich sehr langen Umbauphase (obwohl es kaum was abzubauen gab) absolut nicht nachvollziehbar war – versuchten die Briten es mit einer Nummer, die eigentlich eher als Einleitung zu einer Zugabe prädestiniert war: One More Chance. Oder sahen sie diese Tour selber als One More Chance? Eventuell war es auch Vorsehung, konnten die Beiden mit dem neueren Material das Publikum meist nicht wirklich erreichen.

Generell fehlte der Musik der nötige Druck. Neils Stimme war über lange Strecken zu leise abgemischt und gerade bei den Hits war das Klatschen des Publikums oftmals lauter als die Musik von der Bühne. Hier darf man sich wohl bei den Anwohnern bedanken. Lärmklagen will kein Veranstalter, und von einer solch zahlungskräftigen Gesellschaft schon gar nicht. Darunter litt dann leider der Auftritt der Pet Shop Boys etwas.

Auch wenn die roboterhafte Show des Duos extrem aufgesetzt wirkte, frassen ihnen die Zuschauer aus der Hand. An den Backgroundtänzern, die zwischendurch wie Kreuzungen vom Minotauros von Kreta und Anubis, die sich auf einem schlimmen Acid-Trip befanden, aussahen, schieden sich wohl die Geister. Generell erinnerte der Abend an George R. R. Martins Roman The Armageddon Rag über das Revival einer Band – die neueren Stücke konnten deutlich weniger überzeugen wie die alten Klassiker. Ihnen fehlte dafür schlicht der Tiefgang und der Groove. Schade eigentlich, denn die Jungs können es noch immer und das zeigten sie bei ihren Ausflügen in die Vergangenheit auch. Gerade bei Songs wie In Suburbia, Rent oder Always On My Mind weckten sie jene Jugenderinnerungen, wegen welchen die Besucher gekommen waren. Nur schade, dass diese immer wieder mit unbekannteren, neueren Songs, die nicht ansatzweise die Wucht der Klassiker hatten, ausgelöscht wurden.

So blieb ein durchzogener Abend, der das grosse Potential, dass in ihm steckte, leider nicht ausschöpfen konnte. Und liess mehr als einen Fan desillusioniert zurück.

Fotos: Michelle Brügger