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Am 24. April gingen die Tore des Hallenstadion auf um Tag- und Nachtträumern ein paar Wünsche zu erfüllen. Das grösste Konzert der «Imaginaerum-Tour» von Nightwish fand hier in Zürich statt und zog ganze 11’000 Fans an, die sich von der Freakshow oder zirkusartigen Atmosphäre und gerne begeistern liessen.

Es ist Dienstag Abend, kurz vor sieben Uhr abends. Das Hallenstadion, das bald von 11’000 schwarzen Seelen bevölkert werden wird, ist beinahe noch leer. Davon liessen sich die vier Damen von Eklipse jedoch nicht beeindrucken – ganz im Gegenteil. Pünktlich stehen sie, in aufreizende Kleidung gewandet, auf der Bühne, in der Hand je ein Streichinstrument. Mit zwei Violinen, einer Geige und einem Cello lassen die vier Schönen Musik neu auferstehen, die im Original schon von so vielen Radiosendern gespielt wurden, dass man sie nicht mehr hören mag. Die rein instrumentale Interpretation von Eklipse jedoch schafft es, Liebhaber von klassischer Musik zu begeistern. So geben die Künstlerinnen Liedern wie Cry me a River von Justin Timberlake, Wonderful Life von Hurts oder Paparazzi von Lady Gaga eine ganz neue, meiner Meinung nach sehr interessante Note.

Eine halbe Stunde später war die Show jedoch schon zu Ende und an ihrer Stelle trat Battle Beast – eine langweilige, gewöhnliche Metal-Band, die sich in keinster Weise von den zahlreichen anderen Metal-Bands unterscheidet, die in den letzten Jahren am Horizont erschienen sind. Sie bildeten einen grossen Kontrast zwischen Eklipse und Nightwish, wegen denen die Zuschauer so zahlreich erschienen waren. Die Finnen schafften es zwar, ihre Funktion als Vorband zu erfüllen und konnten das Publikum zum Klatschen anregen, aber davon, sich eine CD von ihnen zu kaufen, war man nach ihrem 40-minütigen Auftritt eher nicht angetan. Zumindest ich nicht.

Beinahe 3 Stunden nach dem Einlass war es dann endlich so weit. Von der Bühne herabhängende Stofffetzen verdeckten während dem Intro noch die Bühne, nur dank den grossen Ventilatoren, die die Fetzen nach vorne fliegen liessen, konnte man ab und an einen Blick darauf erhaschen. Während dem ersten Lied – Storytime – fielen die Stofffetzen dann hinab. Wie zu sehen war und später noch betont wurde, waren keine Mühen gescheut worden, denn schliesslich hatte man hier im Hallenstadion eine grossartige Licht- und Soundanlage zur Verfügung, und auch an Spezialeffekten wie Nebel, Feuer, und sogar Feuerwerken mangelte es nicht. Hinter der Bühne war noch dazu eine Leinwand aufgebaut, auf der das ganze Konzert lang passende Videos zu sehen waren. Nicht zuletzt dankt diesen Effekten kam eine wahre “Cirque De Morgue”-Atmosphäre auf, wie es die Finnen wohl auch beabsichtigt hatten.
Während dem etwa zweistündigen Auftritt wurde eine Mischung aus alten Liedern, die man noch aus Tarja-Zeiten kannte, und Liedern des neuen Albums Imaginaerum gespielt. Glücklicherweise überwogen die neuen Liedern, denn obwohl Anette eigene Versionen von Songs wie I Wish I Had An Angel, Come Cover Me und Over The Hills And Far Away sang, die auch gut klangen, war deutlich herauszuhören, dass diese Lieder nicht speziell für ihre Stimme geschrieben worden waren. Mit Ghost River, Scaretale, I Want My Tears Back und The Crow, the Owl and the Dove vermochte die Frau, die deutlich bescheidener auftrat als Tarja damals, jedoch vollends zu überzeugte und machte den Abend so zu einem Erfolg. Schon nach wenigen Liedern war das Publikum kaum noch zu bremsen, es wurde geklatscht, gejubelt und mitgesungen. Die Stimmung steigerte sich dann bei The Islander ins unermessliche. Gerne kamen die Zuschauer der Aufforderung nach, die Lampen an ihren Kameras und Handys aufleuchten zu lassen, um passend zu dem Leuchtturm im Video den Heimkehrern – oder in diesem Fall vielleicht den Tönen – den Weg zu weisen.
Aber auch ein noch so schöner Konzertabend muss mal zuende gehen, und Nightwish erfüllte uns die letzten Wünsche mit Song of Myself und Last Ride of the Day. Als Zuckerschlecken gab es zum Schluss noch ein kleines Feuerwerk, bei dem wohl nicht nur meine Augen begeistert glänzten.
Mit dieser passenden Mischung aus Show, gewaltiger Musik und reduzierten Showeinlagen hat Nightwish einen Auftritt auf die Beine gestellt, der gut zu ihnen passt und auf zahlreiche weitere Konzerte diesen Formats hoffen lässt – und vielleicht denken die Finnen das nächste Mal auch daran, mehr Merchandising-Artikel mitzunehmen, denn diese waren nach dem Konzert beinahe restlos ausverkauft, trotz der etwas überteuerten Preise.