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Das Aufwachsen ist nicht leicht. Nebst den grossen Fragen – wer bin ich und was will ich – werden zusätzlich hunderttausend Anforderungen an einen gestellt. Zum Glück gibt es Musik über genau diesen Lebensabschnitt.

Coming-of-Age, Heranwachsen oder Erwachsenwerden, wie Wikipedia erklärt, betrifft uns alle. Keine Überraschung, ist Coming-of-Age eine ganz eigene Kulturgattung. Liebe und Sex. Eltern und die Ablösung von ihnen. Freundschaften und Feindschaften. Die Zukunft. Das sind die grossen Themen. Themen, die jeden von uns betreffen. Aber es geht auch um die kleinen Dinge im Leben. Zum Beispiel Pleite oder Betrunken sein. Sich wie ein Ausserirdischer zu fühlen, von allen missverstanden. Um nicht ganz verloren zu sein, hier ein kleiner Ausschnitt des Erwachsenwerdens in Form von Musik.

Fidlar

Den Anfang machen Fidlar. Fuck It Dog, Life’s A Risk. Die in Los Angeles Skate-Garage-Punk-Band verarbeiten ihre Entwicklung insbesondere mit dem exzessiven Konsum von Alkohol und anderen Drogen – das Leben ist sowieso ein Risiko. 2015 erschien ihr zweites Album. Das Lied 40oz. On Repeat ist ein wunderbares Beispiel. Zeilen wie «And I don’t care at all, I’ll drink some alcohol / I t’ll make me who I really wanna be […] / ‚Cause nobody understands me» oder «I’m gonna lock myself inside my room» zeigen die Schwierigkeiten des heranwachsen. Später im Lied wünschen sich die vier Jungs noch mehr Geld. Die einfache Lösung? Übriges: 40oz ist ein in den USA sehr günstiges Starkbier und beschreib die Menge in der Flasche, also 1,18 Liter.

The Babies

«I wanna get Lost», sing Kevin Morby (im Lied Get Lost) von den Babies. Die Band verkörpert die Irrungen und Wirrungen wunderbar, zwischen Resignation und Romantik. Im Song Alligator geht es um (fast) alle wichtigen Dinge: Die Liebe oder die Einsamkeit und die Schwierigkeit, das Leben zu meistern. «Life is funny / Life’s a laugh / Life is lonely / Yeah, it’s a drag». Drag heisst schleppen oder ziehen, und so fühlt sich das Leben manchmal an. Schön bei dieser Band, die 2014 auf Eis gelegt wurde, ist der in manchen Liedern zweistimmige Gesang von Mann (Morby) und Frau (Cassy Ramone, u.a. Vivian Girls).

together Pangea

Bereits in der Montagsmusik besprochen, aber noch immer eine grossartige Hymne über das Erwachsenwerden. Das Trio fasst alle Gefühlslagen in einem Lied, Offer, zusammen. Die (gefühlte) Einsamkeit («I’m haunted / And unwanted»), die Liebe («And if you have a kiss for me, and only me, I’ll take it») und Freundschaften («Get wasted / And lose best friends»). Ein buntes Wirrwarr zwischen Melancholie und Euphorie, immer auf der Suche nach was? Vielleicht will man einfach alles.

Cloud Nothings

Enttäuschung ist die vorherrschende Stimmung bei Cloud Nothings. Das Wolken-Nichts. Zeilen wie «Oh I know / My life’s not gonna change / And I live / Through all these wasted days» oder das Mantra-mässig wiederholte «I thought i would be more than this» zeigen die dunklen Zeiten der Adoleszenz. Zeiten, in denen jedes schöne, alles gute wie die Liebe oder Freundschaft so fern wirkt. Aber hey, man ist nicht alleine. Immerhin das Trio aus Ohio um Dylan Baldi fühlt dasselbe.

Harlem

Ähnlich enttäuscht klingen Harlem. Eine Unze Hoffnung ist aber noch vorhanden. Die Band, bestehend aus drei Musikern (Bass, Gitarre, Schlagzeug), verkündete 2012 das Ende. Und sie sind noch immer grossartig. In South of France erzählen sie von einer Reise nach Frankreich. Mit Alkohol («Drank last night and I feel like shit»), der generellen Depression und der Unzufriedenheit mit dem eigenen Ich («I hate every book I’ve ever read / Take back the words I never said» sowie «I wish I was different») oder der Anziehungskraft des anderen Geschlechts («All the girls on the beach all topless and tan / Real pretty bodies what would they taste like, man»). Und natürlich dem experimentieren mit Drogen («I’m on drugs / I’m freakin‘ out / Do I call the deskman and tell / Or do I just go back to sleep»). Übrigens heisst das Debüt-Album Free Drugs.

Froth

Die Band aus Amerika besingen im Lied On my Chest die Unsicherheit. Mag sie/er mich? Bin ich gut genug? Und so weiter. Diese Fragen, diese Unsicherheit, manchmal sogar Minderwertigkeitsgefühle werden lyrisch folgendermassen umgesetzt: «Do all the things I do draw me away from you?» Oder: «I’m too slow for you’re too smart for me.» Natürlich darf die Infragestellung der eigenen Person nicht fehlen: «Nothing that I say is ever true».

The Specials

Natürlich könnte man die Adoleszenz auch einfach überspringen. Aber Achtung, die Specialists warnen davor. Den Gordischen Knoten zu früh zu lösen kann auch Nachteile bergen. In Too Much, Too Young schildern The Specials ebendiese Nachteile: «You’ve done too much / Much too young / Now you’re married with a kid / When you could be having fun with me». Das Lied dreht sich eigentlich um Jungend-Schwangerschaft, aber der Inhalt kann getrost ausgeweitet werden. Vielleicht sollte man die jungen Jahren trotz allem Schlechten geniessen. Lieber zu lange ungewiss, als zu früh alles zu haben.