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2013 war nicht unbedingt ein Jahr, dass allen positiv in Erinnerung bleiben wird. Aber es hatte auch seine guten Zeiten – wie jedes Jahr. Dies ist ein persönlicher Rückblick auf ein bewegtes Jahr, inklusive Höhen und Tiefen.

Sanfte Klänge, die auch einem Metalhead und Gruft zu zämen vermögen – Heather Nova (Sacha Saxer)

Sanfte Klänge, die auch einem Metalhead und Grufti zu zähmen vermögen – Heather Nova (Foto: Sacha Saxer)

Puh, wieder ein Jahr durch. 2012 hatte ich über 220 verschiedene Bands vor der Linse, diverse davon mehrmals. Ich dachte schon, das wäre Wahnsinn gewesen. Doch was hab ich 2013 alles erlebt?
Ehrlich gesagt, die Anzahl Bands, die ich vor der Linse hatte, ist mir mittlerweile egal, auch wenn ich sicher bin, dass es wieder über 200 verschiedene waren. Aber mich durch weit über mehrere 100 GB an Fotos zu kämpfen, nur um die Bands zu zählen, dafür ist mir die Zeit echt zu schade. Alleine am Greenfield Festival hatte ich 27 Bands vor der Linse, darunter auch die Headliner The Prodigy, Nightwish und Rammstein. Dass ich einer von gerade mal zehn Fotografen war, der Rammstein ablichten durfte, zählt dabei sicherlich zu meinen persönlichen Highlights.

Ich trenne das Review hier einfach mal in fotografische und musikalische Ups & Downs. Die mögen sich überschneiden oder auch gar nichts miteinander zu tun haben. Als Fotograf empfinde ich Konzerte ganz anders als wenn ich als Journalist vor Ort bin. Wenn ich nur mit Kamera am Konzert bin, dann will ich die Essenz des Konzerts in den fünf bis zehn Fotos, die wir auf Negative White pro Band maximal veröffentlichen, einfangen. Das ist eine ganz andere Sprache, als wenn ich in die Tasten greife und zum Ausformulieren meiner Eindrücke mehr als nur Sekundenbruchteile zur Verfügung habe. Ob mir das gelungen ist, müssen die Betrachter der Fotos beurteilen. Ich persönlich glaube, dass es mir dieses Jahr gelungen ist, ein paar wirklich spannende Momente einzufangen.

Musikalisches

Wenn mir eines wirklich klar geworden ist dieses Jahr, dann, dass mir die kleinen, eher privat anmutenden, Konzerte weit besser gefallen, als die grossen, überproduzierten Spektakel, wie man sie im Hallenstadion erleben kann. Das  meiner Meinung nach beste Konzert 2013 war der Auftritt von Heather Nova an der Baloise Session. Keinerlei showtechnische Extravaganz, alleine die Musik stand im Zentrum. Diese Ehrlichkeit gepaart mit ihrer unvergleichlichen Stimme sorgte dafür, dass mir dieser Abend noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Auch der Auftritt von Ryan Sheridan im Papiersaal, mit Levin Deger im Vorprogramm, hatte mich so überwältigt, dass ich erst mal nicht wusste, wie ich diesen Abend in Worte fassen sollte – es war einer dieser Abende, an dem einfach alles stimmte.

Weitere Highlights des Jahres waren sicher die beiden grossen Metal Open Airs in Deutschland – Wacken und Summer Breeze. Ein Meer von rund 80’000 friedlich feiernden Menschen vor sich zu sehen, ist schon ziemlich eindrücklich. An beiden Open Airs kam es auch immer mal wieder vor, dass man mitten im Infield auf Musiker, die am selben Tag aufgetreten sind, getroffen ist und mit ihnen plaudern konnte. Doch nicht nur die gigantischen Anlässe hinterliessen bleibenden Eindruck, nein gerade mehrere kleine Konzerte, wie beispielsweise der umwerfende Auftritt von She Past Away im Werk21, der sogar an einem Dienstagabend für einen vollen Keller sorgte, oder das Geburtstagskonzert von Nico Rohr, das er mit seiner Band Joy/Disaster für ein leider sehr kleines, dafür aber tanzwütiges Publikum im GZ Heuried gegeben hatte. Beide Veranstaltungen wurden von den beiden Zürcher Edelpunks Ira Monticelli und Tom Vecko von der Graveyard Scene auf die Beine gestellt. Für mich zwei Garanten für gute Parties mit grossartiger Musik.

Natürlich gab es auch ein paar Anlässe, die ich nicht ansatzweise gebraucht hätte. So war das M’Era Luna Festival zwischen dem Wacken Open Air und dem Summer Breeze ziemlich befremdend, fühlte es sich neben den beiden Sausen doch wie ein biederes Familienpicknick, bei dem man schön böse angeschaut wurde, wenn man es nur wagte, sich zur Musik zu bewegen, an. Doch manchmal entwickelte sich aus einem misslungenen Konzertabend auch neue Freundschaften. So beim grottenschlechten Konzert von Mustasch im Gaswerk Winterthur, welches ich nicht ganz nett kommentierte, was eine ziemlich grossmäulige Antwort des Gitarristen einer mir bis dato noch gänzlich unbekannten Zürcher Band zur Folge hatte. Während seine Bandkollegen noch fanden, er hätte seine Klappe schon sehr weit aufgerissen, wollte ich sehen, was sich dahinter verbarg und machte dabei die Neuentdeckung des Jahres. The Moonling kombinieren Musik mit Theaterperformance und haben es geschafft, etwas traumhaft neues auf die Beine zu stellen. Mit ihrem Debutalbum iMask haben sie meiner Meinung nach die Scheibe des Jahres herausgebracht.
Auf der Suche nach gelungenen Konzerten fuhr ich auch mitten in die Pampa, wie zum Beispiel zu Expellow ins AA Jam in Aadorf. Oder genoss die kleinen Konzerte im Bagatelle 93 und dem Longstars, wo ich spontan und ohne Akkreditierung aufkreuzte, aber kaum je nach Hause ging, ohne danach doch einen Bericht darüber zu schreiben. Aber gerade in solchen Locations trifft man auf Bands wie Frank Alpine oder Mr. Backliner. Letzteren entdeckte ich an einem BAUM-Konzert in der Schüür Luzern, wo er mich doch tatsächlich als einen der tanzenden Leute aus der Besucherschar herauspickte – wofür er sich später dann noch persönlich bei mir entschuldigte, da er mich nicht blossstellen wollte – und mich gleich für seine Musik interessierte. Nicht unerwähnt bleiben dürfen dabei die Konzerte von Gonoreas, die mich sowohl an der Plattentaufe wie auch bei einem Akustik-Konzerte sehr beeindruckten und spätestens, als sie im KiFF in Aarau als Opener für Powerwolf den besten Auftritt des Abends hingelegt hatten, standen sie für mich als zur Zeit beste Liveband der Schweiz fest.

Bildliches

Genauso wie es musikalische Highlights gab, durfte ich Konzerte besuchen, die optisch zwischen traumhaft und absoluter Katastrophe lagen. Ganz klar im ersten Feld lagen die Konzerte an der Baloise Session, die allerdings auch von SRF übertragen wurden, und entsprechend für gutes Licht gesorgt war. Ein Fotograf, der an der Baloise Session kein gutes Foto abliefern kann, sollte einfach seine Kamera abgeben und sich einen anderen Job suchen. An Open Airs kriegt man auch meistens herrliche Fotos zustande, da man ja meistens bei Tageslicht schiessen kann. So gelang mir auch eines meiner Lieblingsfotos an einem Open Air, und dann auch noch am für mich ansonsten eher misslungenen M’Era Luna. Aber das Foto von Alea während einem seiner charakteristischen Spreizsprünge ist für mich Entschädigung genug für die Flaute, die ich mir an jenem Wochenende geben durfte. Und auch bei bescheidensten Lichtverhältnissen sind Fotos entstanden, meiner Meinung nach die Charakteristik der Band sehr gut eingefangen haben. Vielleicht gerade wegen der  verrauschten Bildqualität, die eben perfekt zum LoFi-Sound eines Frank Alpine passt.
Auf der anderen Seite gab es auch Konzerte, an welchen ich mich fragte, wozu ich überhaupt eine Kamera mitgenommen hatte. Auch die beste Kamera kann keine guten Fotos liefern, wenn sie kein Licht zum Arbeiten kriegt. Und hin und wieder – leider viel zu oft – kommt es vor, dass man während den drei Lieder, die man fotografieren darf, kaum Licht auf der Bühne hat, und das bisschen, dass vorhanden ist, leuchtet an den Musikern vorbei, wodurch man bestenfalls irgendwelche Schatten im Nebel ablichten kann. Ich versteh, dass man einen Spannungsaufbau gestalten will als Lichttechniker. Die Show ist fürs Publikum, nicht für die Deppen vorne im Graben mit ihren grossen Kameras. Aber wenn man eine Show eher düster anfangen will, wieso lässt man dann die Fotografen nicht einfach erst später in den Graben? Den meisten von uns reichen ein bis zwei Songs, wenn das Licht mitspielt, um unsere Arbeit zu machen. Wir wollen gar nicht hunderte von Fotos schiessen, denn die müssen anschliessend auch alle erst mal gesichtet werden, was den Hauptbestandteil unserer Arbeit ausmacht. Lieber einen Song schön ausgeleuchtet, bei welchem man alle Bandmitglieder schön in Szene setzen kann, als drei Songs im dunklen Nebel, bei welchem man nur austauschbare Schattenfiguren sieht. Aber ich hör hier auf zu jammern, denn ich durfte wirklich viele gelungene Shows festhalten und auch aus dem dunkelsten Loch hab ich immer noch ein paar brauchbare Fotos mit nach Hause gebracht. Ich zeige lieber eine kleine Bildstrecke mit Fotos vom vergangenen Jahr, die mir persönlich grosse Freude gemacht haben.

Kritisches

Neben Konzertberichten und unzähligen Fotos hab ich auch einige CD-Kritiken geschrieben. Falls sich jemand wundert, wieso die eigentlich alle durchs Band positiv ausgefallen sind, möchte ich hier klarstellen, dass ich nicht bezahlt wurde für die Rezensionen. Im Gegenteil. Von den zwölf Rezensionen, die ich letztes Jahr verfasst habe, stammte gerade eine Scheibe von einem Label, das sie uns für Reviewzwecke zugesandt hatte. Die andern elf hab ich an oder gleich nach Konzerten gekauft, weil mich der Auftritt der jeweiligen Band so beeindruckt hatte, dass ich mehr von ihr hören wollte. Die Bandbreite erstreckte sich dabei von Singer/Songwritern über Gothic-Rock zu Metal, wobei gerade erstere Kategorie ein leichtes Übergewicht angenommen hatte im Verlauf des Jahres. Ich deute dies als Zeichen, dass ich musikalisch gereift bin und mir immer mehr Zeit nehme, auch die textlichen Feinheiten der Songs genauer anzusehen. Das heisst aber nicht, dass ich an den brachialeren Klängen keine Freude mehr hätte, sonst wäre ich nicht an so vielen Metalkonzerten gewesen.
Für mich ist entscheidend, dass mich ein Album zum wiederholten Anhören animiert. Wenn ich ein Album ohne Zwang ein halbes Dutzend Mal anhören kann, ohne dass es mir langweilig wird, hab ich für mich einen Gewinner gefunden. Über solche Alben schreib ich gerne, auch wenn es oft nicht ganz einfach ist. Aber wenn ich so diese Musik neuen Leuten bekannt machen kann, hat es sich für mich – und hoffentlich auch für die Band – gelohnt. Wem also die Alben, die ich letztes Jahr rezensiert habe, gefallen haben, sollte sich auch die Alben, die ich dieses Jahr rezensieren werde, genauer anhören.

Extracurriculae

Neben meinem Engagement bei Negative White helf ich auch gerne mal bei Metal Inside aus und bin nebenbei auch einer der Hausfotografen des Komplex 457 in Zürich, wo ich mit noch mehr Konzerten konfrontiert werde. Manchmal überschneidet es sich, und gerade wenn ich weit mehr als zehn gute Fotos geschossen hab, ist dies eine schöne Möglichkeit, die Resultate zu veröffentlichen. Und dann gab’s da noch eine Hochzeit von guten Freunden, die ich mit der Kamera begleiten durfte. Mein absolutes Highlight, nicht nur als Fotograf.

Ein paar meiner fotografischen Highlights nochmals mühsam aus dem Archiv gekramt: