Seit zwanzig Jahren musiziert die Band Subway to Sally in beinahe unveränderter Besetzung. Ganze elf Studioalben später touren die Mittelalter-Rocker stets durch Europa und bespielen grosse Festivalbühnen. Zeit, für einen Rückblick auf ihre bewegten Jahre.

Eric Fish – Eisheilige Nacht 2011, Pratteln (Nicola Tröhler)

jt. Es war einmal im Jahre 1992 eine Gruppe Musikanten aus der Region Potsdam, Nahe bei Berlin. Doch bereits Jahre zuvor trafen sich die Gitarren-Saiten-Zupfer Simon Levko und Michael Boden – besser bekannt als Bodenski – und gründeten mit ihren Mitschülern eine Band. Nachdem Bodenski aus dem Dienst in der Armee der DDR zurückkehrte, war den Mitschülern die Lust an „Zweieck“ bereits vergangen. Bodenski und Levko schlossen sich mit Ingo Hampf, Silvio „Sugar Ray“ Runge und Schlagzeuger Guido zur Band „Bodenski Beat“ zusammen. 1990 beschloss man, Folkmusiker zu engagieren und nannte sich Subway to Sally. So fanden Coni und Silke „Frau Schmitt“ Volland zur Gruppe. Die Trompeterin Coni trennte sich wegen ihrer Schwangerschaft bald wieder von Sts, dafür stiess Erik-Uwe „Eric Fish“ Hecht dazu.
Subway to Sally entstand also zwischen 1991 und 1992. Der erste wirkliche Fixpunkt war das Debüt Album 1994. Hier dominieren noch englische Texte und zumeist handelt es sich um traditionelle Lieder. Bloss ein Jahr später folgte MCMXCV, was gleichbedeutend mit 1995 ist, und das wegweisende Werk schlechthin ist. Subway to Sally legten hier den Grundstein für den typischen Mittelalter-Rock, der dank ihnen und Bands wie Schandmaul oder In Extremo enorm beliebt ist. Auf dem Album finden sich ausschliesslich deutsche Texte, vorgetragen vom neuen Sänger Eric Fish. Das Cover ziert ein Stierschädel – bis heute ein prägnantes Logo.
Mit Foppt den Dämon! erschien 1996 bereits das dritte Album, auf dem mit Julia und die Räuber ein Song veröffentlicht wurde, der an keinem Konzert fehlen darf. Das anspruchslose Stück ist umso erfolgreicher darin, die Stimmung im Publikum anzuheizen, denn die Zeile „Blut, Blut, Räuber saufen Blut!“ lernt jeder in Sekundenschnelle.
1997 folgte dann Bannkreis und sollte das letzte Album im jährlichen Rhythmus sein. Noch einmal standen mittelalterliche Themen im Vordergrund. Mit Mephisto, Sanctus oder Kruzifix behandeln Subway to Sally auch religiöse Motive, wobei gerade Kruzifix sich kritisch mit der katholischen Kirche auseinandersetzt.

Richtung  Nord Nord Ost

2005 erreichten Subway to Sally den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere, zumindest unter kommerziellen Gesichtspunkten. Die Band veröffentlichte Nord Nord Ost beim bekannten Metal-Label Nuclear Blast (Werbepartner von Negative White). Die Platte schoss bereits in der ersten Verkaufswoche auf Platz 5 der deutschen Albencharts, was nicht nur ein bahnbrechender Erfolg für die Band selbst, sondern für das ganze Genre bedeutete. Nach dem von harten Klängen dominierten Engelskrieger besannen sich die Musiker zum Teil wieder auf historisch angehauchte Arrangements. Erstmals arbeitete die Band mit dem Filmorchester Babelsberg, welches den Songs eine recht epochale Ausstrahlung verlieh. Der Song Eisblumen wurde 2009 durch eine Cover-Version der Popband namens – wie originell – Eisblume einem breiten Publikum bekannt.
Subway to Sally unternahmen begehrte Akustiktourneen und veröffentlichten 2007 Bastard. Der darauf enthaltene Song Auf Kiel verhalf der Band 2008 zum 1. Platz beim Bundesvision Song Contest, einem Wettbewerb zwischen den deutschen Bundesländern. Sie setzten sich damit gegen bekannte Namen wie Jennifer Rostock, Culcha Candela oder Das Bo durch. Neben Live-CDs und -DVDs erschienen 2009 Kreuzfeuer und 2011 Schwarz in Schwarz.

Subway To Sally (zVg)

Auf der Bühne ein Feuerwerk

Mittlerweile hatte sich der Stil von Subway to Sally gefestigt. Die mittelalterlichen Elemente wurden zwar immer mehr in den Hintergrund gedrängt, doch sind sie immer noch der entscheidende Unterschied zu anderen Rockbands. An den Konzerten sind die historischen Instrumente dennoch omnipräsent, gerade weil sich zahlreiche ältere Stücke grosser Beliebtheit erfreuen. Seit dem ersten Album zeugt ihre Musik von qualitativer Konstanz. Kein Album kann wirklich als schlecht bezeichnet werden. Bisher konnte auf jeder Veröffentlichung ein Hit für das Publikum gefunden werden. Das fängt bei der Grabrede (mit Knochenpolka) an, zieht sich über Julia und die Räuber, Mephisto, Böses Erwachen, Veitstanz, Falscher Heiland, Sieben, Die Trommel bis zu Besser du rennst.
Subway to Sally reissen gerade live mit. Die eingängigen, rasanten Melodien sind Garantie für ein abwechslungsreiches Konzert. Die Songs spannen sich von den tragischen Balladen wie Kleid aus Rosen bis hin zu harten Rocknummern oder punkigem Polka. Gerade deshalb betonen die Musiker auch immer wieder, dass ihre Wurzeln eigentlich im Folk liegen. Markant ist der durchdringende, nasale Gesang von Frontmann Eric Fish. Die Choräle der Mitmusiker gehen durch Mark und Bein.
Auf der Bühne ist aber nicht nur die Musik, sondern auch die Show an sich spektakulär. Gerne wird mit Feuer gespielt, es geht heiss zu und her. Ein echter Tanz auf dem Vulkan.

Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens und der Tradition der Eisheiligen Nächte besuchen Subway to Sally mit den Apokalyptischen Reitern, Russkaja und Fejd im Anhang das Z7 in Pratteln und werden im Verlaufe des Abends vom 16. Dezember gleich zweimal die Bühne bespielen. Nicht nur für Fans der Band ein mit Sicherheit unvergessliches Ereignis, sondern auch für jene, die sich live ein Bild der langjährigen Geschichte machen möchten.

Weitere Infos zur Veranstaltung:

noxiris.ch
z-7.ch